Berlin, 26. Juni 2025 – Eine neue Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung zeigt, wie ländliche Kommunen in Ostdeutschland der Abwanderung junger Menschen entgegenwirken, indem sie Rückkehragenturen und innovative Beteiligungsformate nutzen. Seit der Wende zögen mehr junge Menschen in den Westen oder in Großstädte, was den Anteil junger Bevölkerung in ländlichen Regionen drastisch reduziere. Dies führe zu Fachkräftemangel, Nachwuchsproblemen in Vereinen und einem Rückgang von Angeboten für Jugendliche. Die Studie verdeutliche jedoch, dass gezielte Angebote junge Menschen zum Bleiben oder Zurückkehren bewegen könnten.
„Die Entscheidung für oder gegen einen Wohnort ist komplex und sehr individuell. In den Gesprächen mit jungen Menschen sowie Expertinnen und Experten in über ganz Ostdeutschland verteilten Kommunen konnten wir aber zwei wesentliche Motive identifizieren: Für Ausbildung und Studium ziehen junge Menschen eher weg, für die Familiengründung tendenziell wieder zurück in die Heimat“, erklärt Dr. Florian Breitinger, Mitautor der Studie. Um diesen Zyklus zu nutzen, müssten Kommunen frühzeitig die Bindung an den Herkunftsort stärken und für Rückkehrende attraktiv bleiben.
Die Studie untersuchte acht ländliche Kommunen, die mit kreativen Ansätzen gegen die Abwanderung vorgehen: Bützow (Mecklenburg-Vorpommern), Beeskow und Guben (Brandenburg), Klötze (Sachsen-Anhalt), Schmölln und Steinbach-Hallenberg (Thüringen) sowie Ostritz und Leisnig (Sachsen). In Gesprächen mit Bürgermeistern, Verwaltungsmitarbeitern, Jugendarbeitern und jungen Menschen wurde deutlich, dass Jugendliche Treffpunkte, Mitspracherechte und Mobilität benötigten. Nach der Schulzeit stünden Ausbildungs- und Studienplätze im Fokus, während bei der Familiengründung Betreuungsangebote und ein sicheres Umfeld an Bedeutung gewännen.
Trotz bekannter Herausforderungen behinderten finanzielle Engpässe und übergeordnete Zuständigkeiten, etwa beim Nahverkehr, die Umsetzung geeigneter Maßnahmen. „Es braucht kreative und lokale Ansätze, wie beispielsweise Regionalläden oder digitale Treffpunkte, damit die Verantwortlichen den Bedürfnissen junger Menschen in den verschiedenen Lebensphasen gerecht werden können“, betont Breitinger. Dennoch zeigten die Beispielkommunen innovative Lösungen: Rückkehragenturen und -messen lockten Weggezogene zurück, engagierte Verwaltungen unterstützten Projekte wie eine Discgolf-Anlage in Ostritz, und Kooperationen mit Verkehrsbetrieben verbesserten die Mobilität.
Die Studie unterstreiche, dass ländliche Kommunen durch gezielte Angebote und Beteiligungsmöglichkeiten die Abwanderung junger Menschen eindämmen könnten, schlussfolgerten die Forschenden. Entscheidend sei, bereits in jungen Jahren eine starke Bindung an den Heimatort aufzubauen und für Rückkehrende attraktive Lebensbedingungen zu schaffen.
