Halle (Saale), 10. April 2025 – Die Wirtschaft in Ostdeutschland steht laut aktuellen Analysen vor schwierigen Jahren. Wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) mitteilt, schrumpfte die ostdeutsche Wirtschaft 2024 um 0,1 Prozent, während der Rückgang in Gesamtdeutschland bei 0,2 Prozent lag. Für 2025 prognostiziert das IWH eine Stagnation in Ostdeutschland, gefolgt von einem moderaten Wachstum von 1,1 Prozent im Jahr 2026. Die Arbeitslosenquote wird für beide Jahre mit 7,8 Prozent erwartet, nach 7,5 Prozent im Vorjahr.

Das Frühjahrsgutachten der Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose zeichnet ein düsteres Bild der deutschen Wirtschaft, die sich seit Ende 2023 in einer Krise befindet. Neue US-Zölle und hohe politische Unsicherheiten belasten die wirtschaftliche Aktivität zusätzlich, auch in Ostdeutschland – obwohl Exporte in die USA hier eine geringere Rolle spielen als im Westen. Im Vergleich zu Westdeutschland, wo die Wirtschaft 2024 um 0,3 Prozent schrumpfte, fiel der Rückgang in Ostdeutschland mit 0,1 Prozent etwas milder aus. Besonders Berlin stach mit einem Produktionswachstum von 0,8 Prozent heraus, während die ostdeutschen Flächenländer einen Rückgang von 0,5 Prozent verzeichneten.
Neu veröffentlichte amtliche Daten zeigen jedoch, dass die wirtschaftliche Entwicklung in Ostdeutschland in den vergangenen Jahren weniger positiv war als zuvor angenommen. Nach einer Revision der Zahlen im März 2025 wurde das Bruttoinlandsprodukt für die Jahre vor 2024 nach unten korrigiert. So betrug der Zuwachs zwischen 2015 und 2023 nur 10,2 Prozent statt der früher geschätzten 12,1 Prozent. Besonders stark fiel die Korrektur in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt aus, wo die Wirtschaft teilweise sogar schrumpfte. Das vergleichsweise stärkere Wachstum Ostdeutschlands im Vergleich zu Gesamtdeutschland in den letzten zehn Jahren ist vor allem auf den Dienstleistungssektor in Berlin zurückzuführen.
Ein zentrales Problem für die Zukunft ist der demographische Wandel, der die ostdeutsche Wirtschaft zunehmend belastet. Bereits 2024 sank die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Osten um 0,1 Prozent, während sie im Westen leicht stieg. Zudem profitieren die ostdeutschen Länder kaum von Rüstungsinvestitionen, da die deutsche Rüstungsindustrie überwiegend im Westen angesiedelt ist. Für 2025 wird daher keine wirtschaftliche Dynamik erwartet, während 2026 ein leichtes Wachstum prognostiziert wird, das jedoch hinter dem gesamtdeutschen Zuwachs zurückbleibt.
Die Aussichten bleiben verhalten, da strukturelle Herausforderungen wie der Arbeitskräftemangel die Region weiter bremsen könnten. Experten sehen dringenden Handlungsbedarf, um die ostdeutsche Wirtschaft langfristig zu stärken.
