Prince Andrews: Staatlich geschützte Vermeidung der Strafverfolgung

Durch | 9. Februar 2026

Editorial. Der Fall des ehemaligen Prince Andrew, nun Andrew Mountbatten-Windsor, steht exemplarisch für die Komplexität von Vorwürfen sexuellen Missbrauchs in Verbindung mit dem Netzwerk des verstorbenen Jeffrey Epstein. Seit der Veröffentlichung der DOJ Epstein Files im Jahr 2024 und weiteren Ergänzungen bis 2026 hat sich das öffentliche Interesse an seiner Rolle intensiviert. Diese Dokumente, die aus Gerichtsverfahren und Ermittlungen des US-Justizministeriums stammen, enthüllen Details zu Epsteins Aktivitäten und den Beteiligten, darunter Andrew. Dennoch ist es Andrew bislang gelungen, einer strafrechtlichen Verfolgung in Großbritannien zu entgehen. Dieses Editorial beleuchtet die faktenbasierten Aspekte dieses Prozesses, einschließlich der Mechanismen, die eine Anklage verhindern, und der relevanten britischen Gesetze, die aufgrund der in den Files beschriebenen Vorfälle anwendbar wären. Es basiert ausschließlich auf veröffentlichten Dokumenten und offiziellen Aussagen, ohne Spekulationen oder emotionale Bewertungen.

Die Epstein Files umfassen Tausende von Seiten, die aus dem Zivilprozess Virginia Giuffre gegen Ghislaine Maxwell und weiteren Ermittlungen hervorgegangen sind. Im Januar 2024 wurden zunächst über 900 Seiten freigegeben, die Andrews Namen mehrmals erwähnen. Weitere Veröffentlichungen folgten, darunter im Dezember 2025 und Januar 2026, als das DOJ mehr als drei Millionen Dokumente und Fotos herausgab. Diese enthalten E-Mails, Zeugenaussagen und Fotografien, die Andrews enge Beziehung zu Epstein und Maxwell illustrieren. Beispielsweise wird in E-Mails aus dem Jahr 2009 beschrieben, wie Andrew Epstein sensible Informationen über offizielle Reisen als britischer Handelsbeauftragter zusandte. Andere Dokumente beinhalten Aussagen von Zeugen, die Andrew in Epsteins Anwesen in New York, London und auf den Virgin Islands platzieren, wo mutmaßliche sexuelle Handlungen stattfanden.

Ein zentraler Vorwurf stammt von Virginia Giuffre, die angibt, als 17-Jährige von Epstein und Maxwell an Andrew vermittelt worden zu sein. Sie beschreibt drei Vorfälle: einen in London, einen in New York und einen auf Epsteins Insel. Giuffre war zu diesem Zeitpunkt nach US-Recht minderjährig, obwohl das Einwilligungsalter in Großbritannien bei 16 liegt. Die Files enthalten auch Aussagen anderer Frauen, darunter eine Tänzerin, die angibt, von Epstein und Andrew zu sexuellen Handlungen gedrängt worden zu sein. Neuere Veröffentlichungen aus 2026 zeigen Fotografien, die Andrew in kompromittierenden Posen darstellen, sowie E-Mails, in denen Andrew Epstein als „inappropriate friend“ bezeichnet, aber dennoch Kontakte pflegt.

Trotz dieser Details hat Andrew keine strafrechtliche Anklage in Großbritannien erlebt. Die Vermeidung der Strafverfolgung ergibt sich aus einer Kombination rechtlicher, institutioneller und prozeduraler Faktoren. Zunächst einmal handelt es sich bei den Epstein Files primär um Zivilgerichtsdokumente, die aus einem US-amerikanischen Verfahren stammen. Diese dienen nicht direkt als Grundlage für britische Strafverfahren, sondern erfordern eine separate Untersuchung durch britische Behörden. Die Metropolitan Police in London hat mehrmals Überprüfungen durchgeführt, etwa im Jahr 2021 nach Giuffres Klage und erneut 2025 nach weiteren Freigaben. In allen Fällen wurde entschieden, keine formelle Ermittlung einzuleiten, da keine ausreichenden Beweise für eine Verfolgung vorlägen. Die Polizei betonte, dass sie mit US-Behörden kooperiert, aber keine unabhängigen britischen Straftaten identifizieren konnte.

Ein weiterer Faktor ist das Zivilsettlement aus dem Jahr 2022. Giuffre hatte Andrew in New York verklagt, und die Parteien einigten sich außergerichtlich auf eine Zahlung von bis zu 16 Millionen US-Dollar. Solche Settlements schließen oft Klauseln ein, die weitere Zivilklagen verhindern, beeinflussen jedoch nicht automatisch strafrechtliche Verfahren. Dennoch wirken sie abschreckend, da sie die öffentliche Wahrnehmung beeinflussen und potenzielle Zeugen zögern lassen könnten. Andrews Status als ehemaliges Mitglied der königlichen Familie spielt ebenfalls eine Rolle. Obwohl er 2022 seine militärischen Titel und Patronate verlor und 2025 seinen Herzog-von-York-Titel abgab, genießt er immer noch gewisse Protektionen. Bücher und Berichte, wie das des ehemaligen US-Staatsanwalts Geoffrey Berman, deuten darauf hin, dass britische Behörden US-Ermittler behindert haben könnten, um Andrew zu schützen. Berman beschreibt in seinem Werk aus 2022, wie das Foreign Office intervenierte, um Befragungen zu verhindern.

Die FBI-Untersuchung zu Epsteins Netzwerk wurde 2025 abgeschlossen, ohne Anklage gegen Andrew. Die Files zeigen, dass das FBI Beweise für Epsteins Missbrauch fand, aber Andrews Beteiligung als sekundär einstufte. Britische Polizei, wie die Thames Valley Police, prüft derzeit Vorwürfe aus den 2026-Files, wonach Andrew Epstein sensible Regierungsdaten zusandte. Dies könnte unter dem Official Secrets Act fallen, doch bisher gibt es keine Anklage. Andrews Ausstieg aus dem öffentlichen Leben – er zog 2026 aus dem Royal Lodge und lebt nun auf einem privaten Anwesen von King Charles III. – reduziert den Druck auf Behörden, da er keine offizielle Rolle mehr innehat.

Nun zu den britischen Gesetzen, die aufgrund der in den Epstein Files beschriebenen Vorfälle anwendbar wären. Die Files legen nahe, dass Andrews Handlungen potenziell gegen mehrere Statuten verstoßen haben könnten, insbesondere im Bereich sexueller Delikte und damit verbundener Straftaten. Basierend auf den Zeugenaussagen und Dokumenten müsste eine Verurteilung unter diesen Gesetzen geprüft werden, sofern Beweise für eine Strafverfolgung ausreichen würden.

Das Sexual Offences Act 2003 ist das zentrale Gesetz für sexuelle Vergehen in England und Wales. Es definiert Vergewaltigung in Section 1 als absichtliche Penetration ohne Einwilligung, wobei der Täter wissen oder vernünftigerweise annehmen muss, dass keine Einwilligung vorliegt. Giuffres Aussagen beschreiben Handlungen, die unter diese Definition fallen könnten, insbesondere da sie angibt, unter Zwang gehandelt zu haben. Section 2 regelt sexuelle Übergriffe durch Berührung, was in den Files durch Beschreibungen von Massagen und anderen Kontakten abgedeckt sein könnte. Für Vorfälle mit Minderjährigen ist Section 9 relevant, das sexuelle Aktivitäten mit Kindern unter 16 verbietet; Giuffre war 17, was in Großbritannien legal wäre, aber Section 14 erweitert dies auf Fälle von Missbrauch einer Vertrauensstellung. Section 52 und 53 betreffen Menschenhandel zu sexuellen Zwecken, was Epsteins Netzwerk direkt anspricht – das Arrangieren von Reisen und Treffen für sexuelle Ausbeutung. Die Files enthalten E-Mails, die andeuten, Andrew habe von solchen Arrangements gewusst.

Extraterritoriale Anwendbarkeit ist entscheidend, da Vorfälle in den USA und auf den Virgin Islands stattfanden. Section 72 des Sexual Offences Act 2003 erlaubt die Verfolgung britischer Staatsbürger für sexuelle Vergehen gegen Kinder im Ausland, wenn das Opfer unter 18 ist und die Handlung in Großbritannien strafbar wäre. Giuffres Alter von 17 qualifiziert dies, und Andrews britischer Status macht es anwendbar. Das Gesetz wurde 2003 eingeführt, um Lücken zu schließen, und wurde in Fällen wie dem von Gary Glitter genutzt.

Das Serious Crime Act 2015 erweitert den Schutz vor sexueller Ausbeutung. Section 2 macht die Beteiligung an schweren Verbrechen strafbar, einschließlich der Ermutigung oder Unterstützung. Wenn Andrew Epstein bei der Organisation half, könnte dies gelten. Section 76 schafft das Delikt der kontrollierenden oder zwanghaften Verhaltens in intimen Beziehungen, was auf Giuffres Beschreibungen von Druck passt. Schedule 4 amendet das Protection of Children Act 1978, um den Besitz verbotener Bilder zu erweitern, was relevant ist, da die 2026-Files Fotografien enthalten, die Andrew in sexuellen Kontexten zeigen.

Das Coroners and Justice Act 2009 adressiert in Section 62 den Besitz verbotener Bilder von Kindern, definiert als pornografisch oder anstößig. Penalty bis zu drei Jahren Haft. Section 65 definiert „Kind“ als unter 18, was Giuffre einschließt. Wenn die in den Files genannten Fotos solche Bilder darstellen, könnte dies eine Verletzung sein. Das Gesetz zielt auf die Verhinderung der Sexualisierung von Minderjährigen ab.

Weitere Gesetze könnten involviert sein. Das Modern Slavery Act 2015 in Section 2 kriminalisiert Menschenhandel, inklusive sexueller Ausbeutung. Epsteins Operationen werden in den Files als solcher beschrieben, und Andrews Beteiligung könnte als Komplizenschaft gelten. Das Official Secrets Act 1989 könnte für das Teilen sensibler Infos gelten, da Andrew als Handelsbeauftragter Zugang hatte. Section 1 verbietet die unbefugte Weitergabe, mit Strafen bis zu 14 Jahren.

Trotz dieser potenziellen Verletzungen hat keine britische Behörde eine Anklage erhoben. Die Crown Prosecution Service (CPS) prüft Fälle nach dem Code for Crown Prosecutors, der ausreichende Beweise und öffentliches Interesse erfordert. Die Files bieten Zeugenaussagen, aber keine physischen Beweise wie DNA oder Videos, die für eine Verurteilung nötig wären. Zudem ist die Verjährungsfrist für viele Delikte unbeschränkt, aber die Verzögerung seit 2001 erschwert Ermittlungen. Die Polizei hat angegeben, dass ohne neue Beschwerden keine Handlung erfolgt.

Die Chronologie der Ereignisse unterstreicht dies. 2001: Die mutmaßlichen Vorfälle. 2008: Epstein wird verurteilt. 2015: Giuffre erhebt öffentlich Vorwürfe. 2019: Epstein stirbt, Andrews BBC-Interview verschärft den Skandal. 2021: Giuffres Klage, britische Polizei überprüft, schließt ab. 2022: Settlement. 2024: Erste Files-Freigabe. 2025: FBI schließt Untersuchung, Andrew verliert Titel. 2026: Neue Files, Andrew zieht um, Polizei prüft Infos-Weitergabe.

Insgesamt zeigt der Fall, wie hochrangige Figuren durch institutionelle Barrieren geschützt werden können. Die Files haben zu Rücktritten geführt, wie dem von Peter Mandelson, aber Andrew bleibt frei. Eine Verurteilung würde Beweise erfordern, die über Allegationen hinausgehen.

Linkliste zu UK-Gesetzen:

  • Sexual Offences Act 2003: https://www.legislation.gov.uk/ukpga/2003/42/contents
  • Serious Crime Act 2015: https://www.legislation.gov.uk/ukpga/2015/9/contents
  • Coroners and Justice Act 2009: https://www.legislation.gov.uk/ukpga/2009/25/contents
  • Modern Slavery Act 2015: https://www.legislation.gov.uk/ukpga/2015/30/contents
  • Official Secrets Act 1989: https://www.legislation.gov.uk/ukpga/1989/6/contents
  • Protection of Children Act 1978: https://www.legislation.gov.uk/ukpga/1978/37/contents

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