Psychische Unterstützung von Athleten durch Trainer unterforscht, zeigt neue Studie

Durch | 10. August 2025

Eine am Freitag in der Fachzeitschrift BMJ Open veröffentlichte Studie der Universität Birmingham deckt erhebliche Forschungslücken in der psychischen Unterstützung von Sportlern auf. Die Untersuchung, geleitet von Doktorandin Kirsty Brown und Professorin Jennifer Cumming, zeigt, dass insbesondere die Rolle von Trainern als semi-formelle Unterstützungsquellen für Athleten bei psychischen Problemen kaum erforscht ist. Dies wirft Fragen zur Wirksamkeit bestehender Unterstützungssysteme auf, da Sportler mit spezifischen Barrieren wie Stigmatisierung und der Sorge vor beruflichen Konsequenzen konfrontiert sind.

Forschungslage und zentrale Erkenntnisse

Die Studie analysierte 104 weltweite Untersuchungen zum Thema psychische Gesundheit von Sportlern und deren Hilfesuchverhalten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Forschung stark auf formelle Unterstützungsquellen wie Psychologen und Berater fokussiert ist (55 % der Studien), während nur 2 % der Arbeiten die Interaktion mit semi-formellen Quellen wie Trainern untersuchen. Etwa 26 % der Studien betrachteten sowohl formelle als auch semi-formelle Unterstützung.

„Sportler stehen vor besonderen Hürden, wenn sie Hilfe für ihre psychische Gesundheit suchen“, erklärte Kirsty Brown. „Unsere Analyse verdeutlicht, dass das wissenschaftliche Verständnis für die psychische Unterstützung von Sportlern zwar wächst, aber wichtige Bereiche wie die Rolle von Trainern nahezu unerforscht bleiben.“ Die geringe Untersuchung des Zugangs zu Unterstützung (nur 32 % der Studien) ist besonders problematisch, da dieser Faktor entscheidend für das Hilfesuchverhalten ist.

Die Einstellung von Sportlern zur Suche nach Hilfe war der am häufigsten untersuchte Aspekt (79 % der Studien). Dennoch fehlen Erkenntnisse darüber, wie kulturelle und strukturelle Barrieren, insbesondere in einkommensschwachen oder nicht-westlichen Kontexten, das Verhalten beeinflussen.

Bedeutung semi-formeller Unterstützung

Trainer spielen eine Schlüsselrolle als zugängliche Ansprechpartner für Sportler, da sie oft eine Vertrauensposition einnehmen. Dennoch zeigt die Studie, dass deren Potenzial als semi-formelle Unterstützungsquelle kaum erforscht ist. Sportler zögern häufig, Hilfe zu suchen, aus Angst vor Stigmatisierung oder beruflichen Nachteilen wie der Abwahl aus Teams. Trainer könnten hier eine Brückenfunktion einnehmen, indem sie psychische Unterstützung bieten oder den Zugang zu professionellen Diensten erleichtern. Die Vernachlässigung dieses Bereichs in der Forschung deutet auf eine verpasste Chance hin, Unterstützungssysteme zu optimieren.

Handlungsempfehlungen

Die Autoren fordern eine stärkere Fokussierung auf semi-formelle Unterstützungsquellen und die Untersuchung des Hilfesuchverhaltens in unterschiedlichen kulturellen Kontexten. Zudem empfehlen sie die konsequentere Anwendung validierter Messinstrumente und etablierter theoretischer Rahmenbedingungen, um die Vergleichbarkeit von Studien zu verbessern. „Um die bestmöglichen Unterstützungsmodelle für Sportler zu entwickeln, brauchen wir eine solide Beweisgrundlage“, betonte Professorin Jennifer Cumming.

Relevanz und Ausblick

Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, die psychische Gesundheit von Sportlern ganzheitlicher zu betrachten. Angesichts der wachsenden Aufmerksamkeit für mentale Gesundheit im Profisport – beispielsweise durch öffentliche Statements von Athleten wie Simone Biles oder Naomi Osaka – ist die Optimierung von Unterstützungsstrukturen dringend erforderlich. Die Vernachlässigung semi-formeller Quellen wie Trainer könnte dazu führen, dass Sportler weiterhin unzureichend unterstützt werden.

Die Forschungsergebnisse sind ein Weckruf für Sportorganisationen, Verbände und Wissenschaftler, die Zusammenarbeit zwischen formellen und semi-formellen Unterstützungssystemen zu stärken. Zukünftige Studien sollten laut dem Forschungsteam auch die spezifischen Bedürfnisse von Sportlern in einkommensschwachen Regionen und nicht-westlichen Kulturen berücksichtigen, um globale Unterschiede im Zugang zu psychischer Unterstützung besser zu verstehen.

Quelle: BMJ Open

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Autor: LabNews Media LLC

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