Die Sicherheit von Proof-of-Work (PoW)-Blockchains steht seit Jahren im Fokus der Krypto-Community, da sogenannte 51-Prozent-Angriffe eine theoretische Schwäche dieser Netzwerke darstellen. Bei einem solchen Angriff übernimmt eine Gruppe die Mehrheit der Rechenleistung (Hashrate) eines Netzwerks, was es ihr ermöglicht, die Blockchain zu manipulieren, Transaktionen zu zensieren oder sogar doppelt auszugeben. Das Qubic-Netzwerk, ein auf künstliche Intelligenz (KI) fokussiertes Blockchain-Projekt, hat am 11. August 2025 für Schlagzeilen gesorgt, als es einen solchen Angriff auf die datenschutzorientierte Kryptowährung Monero (XMR) erfolgreich durchführte. Nur wenige Tage später, am 17. August 2025, gab Qubics Gründer Sergey Ivancheglo, bekannt unter dem Pseudonym „Come-from-Beyond“, bekannt, dass die Community in einer Abstimmung Dogecoin (DOGE) als nächstes Ziel für einen 51-Prozent-Angriff ausgewählt hat. Diese Entwicklung löst Besorgnis in der Krypto-Community aus, da Dogecoin mit einer Marktkapitalisierung von über 33 Milliarden US-Dollar die größte Meme-Kryptowährung und eine der zehn größten Kryptowährungen weltweit ist.
Der Monero-Angriff: Ein Weckruf
Qubic hat am 11. August 2025 angekündigt, dass sein Mining-Pool die Mehrheit der Hashrate des Monero-Netzwerks übernommen hat, indem er etwa 2,32 Gigahashes pro Sekunde (GH/s) kontrollierte. Dies ermöglichte es Qubic, sechs Blöcke der Monero-Blockchain zu reorganisieren – ein Beweis für die Machbarkeit eines 51-Prozent-Angriffs. Trotz der Übernahme betonte Qubic, dass die Kernfunktionen von Monero, wie Privatsphäre, Geschwindigkeit und Benutzerfreundlichkeit, nicht beeinträchtigt wurden. Das erklärte Ziel des Projekts war es, die Sicherheit von Monero durch Qubic-Miner zu übernehmen, was die Rentabilität für Miner steigern und die Belohnungen über Qubics eigene Pools leiten sollte. Der Angriff führte dazu, dass die Kryptobörse Kraken vorübergehend Monero-Einzahlungen aussetzte, da sie ein „potenzielles Risiko für die Netzwerkintegrität“ sah. Kritiker wie Luke Parker, leitender Entwickler bei SeraiDEX, stellten die Behauptung eines vollständigen 51-Prozent-Angriffs infrage und wiesen darauf hin, dass Qubic möglicherweise nur 28–35 % der Hashrate kontrollierte und durch eine „selfish mining“-Strategie erfolgreich war. Dennoch hat der Vorfall die Verwundbarkeit von PoW-Netzwerken verdeutlicht.
Dogecoin als neues Ziel
Nach dem Monero-Angriff leitete Sergey Ivancheglo eine Abstimmung in der Qubic-Community ein, um das nächste Ziel unter ASIC-fähigen PoW-Blockchains zu wählen. Die Optionen umfassten Dogecoin, Kaspa (KAS) und Zcash (ZEC). Dogecoin erhielt mit über 300 Stimmen die überwältigende Mehrheit, weit mehr als die anderen Netzwerke zusammen. Diese Entscheidung, die Ivancheglo am 17. August 2025 auf der Plattform X bekanntgab, löste sofortige Reaktionen aus. Der Preis von Dogecoin fiel innerhalb von 24 Stunden um 4–8 %, von etwa 0,24 US-Dollar auf 0,21–0,22 US-Dollar, während das Handelsvolumen um 56–100 % anstieg, was auf erhöhte Volatilität und Panikverkäufe hinweist. On-Chain-Daten, wie der Network Realized Profit/Loss (NPL)-Indikator von Santiment, zeigten die stärksten Verluste bei DOGE-Investoren seit Juli 2022, was auf eine breite Unsicherheit hindeutet.
Dogecoin stellt für Qubic eine weit größere Herausforderung dar als Monero. Während Monero mit einer Hashrate von etwa 2,3 GH/s arbeitet, verfügt Dogecoin über eine Hashrate von etwa 3,47 Petahashes pro Sekunde (PH/s), verstärkt durch das Merged-Mining mit Litecoin, das weitere 2,78 PH/s hinzufügt. Diese kombinierte Netzwerkstärke übertrifft Monero um mehr als eine Million Mal. Ein Qubic-Botschafter, bekannt als „QubicChurch“, räumte ein, dass die Vorbereitung für einen Angriff auf Dogecoin Monate der Entwicklung erfordern würde. Selbst wenn Qubic nur 0,1 % der Dogecoin-Litecoin-Hashrate erobern könnte, würde dies die gesamte Monero-Hashrate um das Tausendfache übertreffen. Bei 1 % Kontrolle wäre der Einfluss mehr als elftausend Mal größer als bei Monero, was enorme finanzielle Mittel in das Qubic-Ökosystem leiten könnte.
Qubics Motivation und Kontroverse
Qubic verfolgt mit seinem „Useful Proof-of-Work“ (uPoW)-Modell einen neuartigen Ansatz, bei dem Mining-Ressourcen nicht nur für die Sicherung der Blockchain, sondern auch für KI-Berechnungen, insbesondere das Training des KI-Modells „AIGarth“, genutzt werden. Die Angriffe auf Monero und die geplante Aktion gegen Dogecoin werden von Qubic als „Stresstests“ bezeichnet, um die Widerstandsfähigkeit von PoW-Netzwerken zu prüfen und die Überlegenheit ihres uPoW-Modells zu demonstrieren. Ivancheglo und Qubic betonen, dass es nicht das Ziel sei, die Netzwerke zu zerstören, sondern die Rentabilität für Miner zu steigern und neue Anreizstrukturen zu schaffen. Dennoch haben die Aktionen erhebliche Kontroversen ausgelöst. Kritiker wie Zhong Chenming von SlowMist warnen, dass Qubic theoretisch die Blockchain umschreiben und Transaktionen zensieren könnte, was die Vertrauenswürdigkeit von PoW-Netzwerken untergräbt. Andere, wie der Monero-Entwickler Luke Parker, sehen die Aktionen als Publicity-Stunt, der die tatsächliche Kontrolle überbewertet.
Die Ankündigung, Dogecoin ins Visier zu nehmen, hat auch deshalb Besorgnis ausgelöst, weil Dogecoin eine der bekanntesten Kryptowährungen ist, die durch Prominente wie Elon Musk unterstützt wird und eine große Anhängerschaft hat. Ein erfolgreicher Angriff könnte nicht nur das Vertrauen in Dogecoin erschüttern, sondern auch weitreichende Auswirkungen auf den gesamten Kryptomarkt haben. Die Tatsache, dass Dogecoin durch das Merged-Mining mit Litecoin geschützt wird, macht einen Angriff zwar schwieriger, aber nicht unmöglich, insbesondere wenn Qubic seine Rechenleistung erheblich steigern kann.
Auswirkungen auf den Markt und die Community
Die Ankündigung von Qubic hat unmittelbare Auswirkungen auf den Dogecoin-Markt gehabt. Der Preisverfall von 4–8 % zeigt die Nervosität der Investoren, während das gestiegene Handelsvolumen auf Panikverkäufe und Unsicherheit hindeutet. Trotz der Sicherheitsbedenken haben Großinvestoren („Whales“) im August 2025 etwa 680 Millionen DOGE akkumuliert, was auf langfristiges Vertrauen in die Kryptowährung hinweist. Technische Analysen zeigen jedoch gemischte Signale: Der Relative Strength Index (RSI) von Dogecoin liegt bei etwa 38–50, was auf eine neutrale bis leicht überverkaufte Marktlage hindeutet, während der MACD eine rückläufige Dynamik anzeigt. Unterstützungsniveaus bei 0,19–0,21 US-Dollar sind entscheidend, da ein Bruch dieser Zonen weitere Verluste bis 0,16–0,18 US-Dollar auslösen könnte. Auf der anderen Seite könnte ein Wiederanstieg über 0,23–0,24 US-Dollar die bullische Stimmung wiederbeleben.
Die Dogecoin-Community steht vor einer Herausforderung, da die Bedrohung durch Qubic die Diskussion über die Sicherheit von PoW-Netzwerken neu entfacht hat. Einige Analysten sehen in Qubics Aktionen eine Chance, Schwächen aufzudecken und die Entwicklung von Schutzmaßnahmen zu beschleunigen, ähnlich wie Ivancheglo es für Monero behauptet hat. Andere befürchten jedoch, dass wiederholte Angriffe das Vertrauen in Kryptowährungen wie Dogecoin nachhaltig schädigen könnten, insbesondere bei Händlern, die DOGE als Zahlungsmittel akzeptieren.
Fazit
Die Entscheidung der Qubic-Community, Dogecoin nach ihrem Angriff auf Monero ins Visier zu nehmen, markiert eine neue Phase in der Debatte über die Sicherheit von Proof-of-Work-Blockchains. Während Qubic seine Aktionen als „Stresstests“ und Teil eines innovativen uPoW-Modells darstellt, lösen sie erhebliche Besorgnis in der Krypto-Community aus. Dogecoin, mit seiner enormen Marktkapitalisierung und dem Schutz durch Merged-Mining mit Litecoin, stellt eine größere Herausforderung dar als Monero, doch die bloße Ankündigung eines potenziellen Angriffs hat bereits Marktvolatilität ausgelöst. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Qubic seine Pläne umsetzen kann und wie die Dogecoin-Community auf diese Bedrohung reagiert. Gleichzeitig unterstreicht der Vorfall die dringende Notwendigkeit, die Sicherheitsmechanismen von PoW-Blockchains zu überdenken, um zukünftige Angriffe zu verhindern und das Vertrauen der Investoren zu bewahren.
