Der ehemalige SPD-Vorsitzende und Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hat in den vergangenen Monaten für Aufsehen gesorgt: Seit Mai 2025 ist er offiziell Mitglied des Aufsichtsrats des Rüstungskonzerns Rheinmetall AG. Die Nominierung im Dezember 2024 und seine Wahl auf der Hauptversammlung markieren einen weiteren Karriereschritt für den 65-Jährigen, der nach seinem Abschied aus der aktiven Politik zunehmend in der Wirtschaft Fuß fasst. Kritiker sehen darin einen problematischen Wechsel vom Politik- ins Rüstungsgeschäft, insbesondere vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs und der Debatte um deutsche Waffenexporte.
Politischer Hintergrund: Von der SPD-Spitze in die Wirtschaft
Sigmar Gabriel, geboren 1959 in Goslar, Niedersachsen, blickt auf eine lange politische Laufbahn zurück. Er war von 2009 bis 2017 SPD-Parteivorsitzender, diente als Bundesumweltminister (2005–2009), Bundeswirtschaftsminister (2013–2017) und schließlich als Außenminister (2017–2018). In seiner Zeit als Wirtschaftsminister setzte er sich für den Ausbau erneuerbarer Energien ein, war aber auch in kontroverse Entscheidungen verwickelt, wie die Genehmigung von Waffenexporten in Krisengebiete. Nach seiner Niederlage bei der SPD-Kanzlerkandidatur 2017 zog er sich aus der Spitzenpolitik zurück und widmete sich Beratertätigkeiten.
Seitdem hat Gabriel mehrere Aufsichtsratsmandate übernommen: Er ist Mitglied im Internationalen Beratungsausschuss von Bosch, sitzt im Aufsichtsrat des Lebensmittelkonzerns Heristo (seit 2023) und war bis 2024 Vorsitzender des Aufsichtsrats der ThyssenKrupp Steel Europe AG. Sein Rücktritt von ThyssenKrupp im Sommer 2024 ging mit einem lauten Knall einher – Gabriel kritisierte öffentlich die Unternehmensführung und warf dem Vorstand Versäumnisse vor. Nur wenige Monate später folgte die Nominierung für Rheinmetall, was Beobachter als „unerwartetes Comeback“ in der Industrie bezeichnen. 9
Rheinmetall, eines der größten Rüstungsunternehmen Europas mit Sitz in Düsseldorf, profitiert derzeit stark vom globalen Aufrüstungstrend. Der Konzern, der Panzer, Munition und Drohnen herstellt, verzeichnete 2024 einen Rekordumsatz von über 7 Milliarden Euro, getrieben durch Lieferungen an die Ukraine und NATO-Partner. Gabriels Eintritt in den Aufsichtsrat – zusammen mit der Tech-Expertin Prof. Dr. Sabina Jeschke – soll dem Gremium mehr politische und internationale Expertise verleihen. Als Aufsichtsratsmitglied verdient Gabriel schätzungsweise 100.000 bis 150.000 Euro pro Jahr, ergänzt durch Sitzungsgelder, wie Branchenkenner berichten.
Die Rolle bei Rheinmetall: Expertise oder Interessenkonflikt?
Gabriel selbst betont, dass seine Arbeit im Aufsichtsrat auf den Schutz der „nächsten Generation“ abzielt: „Ich denke dabei auch an unsere Kinder und Enkel“, sagte er in einem Interview. Als Vorsitzender der Atlantik-Brücke, einer Organisation zur Förderung transatlantischer Beziehungen, bringt er ein Netzwerk aus Politik und Wirtschaft mit. Kritiker werfen ihm jedoch vor, seine politischen Verbindungen für Lobbyarbeit zu nutzen. Besonders im Kontext des Ukraine-Kriegs, in dem Rheinmetall Milliardenaufträge für Leopard-Panzer und Munition erhält, sehen Linke und Pazifisten einen Konflikt: Gabriel, der als Außenminister für Diplomatie stand, sitzt nun in einem Unternehmen, das von Konflikten profitiert.
Auf X (ehemals Twitter) hagelt es Kritik: Nutzer bezeichnen Gabriel als „Kriegstreiber“ und „Rüstungslobbyisten“. Ein Post aus Juli 2025 spottet: „Siegmar Gabriel versteht was von Thyssen Stahl und jetzt was von Panzer bauen..bei Rheinmetall Drohnen Experte..Gabriel :D“. Andere verbinden seine Rolle mit der SPD-Politik: „Ein gutes Beispiel dafür ist der SPD-Scherge Siegmar Gabriel, sitzt jetzt bei Rheinmetall im Aufsichtsrat??“, heißt es in einem Thread. Sogar in TV-Auftritten wie bei „Miosga“ wird Gabriel mit seiner Rheinmetall-Position konfrontiert, wo er die AfD als Bedrohung darstellt, während Kritiker ihn als „Salon-Schlächter“ verspotten.
Politische und gesellschaftliche Kontroversen
Die Nominierung Gabriels reiht sich in eine Debatte über „Drehtür-Effekte“ in der Politik ein: Ehemalige Minister wechseln häufig in die Industrie, die sie zuvor regulierten. Im Fall von Rheinmetall erinnert das an frühere Fälle wie den von Franz-Josef Meiers (2017). Gabriel verteidigt sich: Er sehe Rheinmetall vor „großen Herausforderungen“ in einer unsicheren Welt. Dennoch fordern Organisationen wie die Deutsche Friedensgesellschaft strengere Karenzfristen für Politiker.
Der Ukraine-Krieg verstärkt die Spannungen: Rheinmetall plant eine Fabrik in der Ukraine und profitiert von Bundesregierungsaufträgen. Gabriel, der als Außenminister Russland-Sanktionen unterstützte, wird nun mit Vorwürfen konfrontiert, er trage zur Eskalation bei. In Posts wird er als „Lakai der Neocons“ bezeichnet. SPD-Interna spielen eine Rolle: Während die Partei unter dem.damalugen Kanzler Olaf Scholz eine vorsichtige Aufrüstungspolitik verfolgte, sehen Kritiker in Gabriels Wechsel einen Widerspruch zu sozialdemokratischen Werten.
Reaktionen und Ausblick
Die Reaktionen sind geteilt: Wirtschaftsverbände begrüßen Gabriels Expertise, während Gewerkschaften und Linke protestieren. Der Spiegel titelte: „Sigmar Gabriel für Rheinmetall-Aufsichtsrat nominiert“. Die FAZ berichtete ähnlich. Ob Gabriels Mandat langfristig hält, hängt von der Hauptversammlung 2028 ab – bis dahin bleibt er ein Symbol für den engen Verbund von Politik und Rüstung.
In einer Zeit zunehmender geopolitischer Spannungen könnte Gabriels Rolle bei Rheinmetall die Debatte über Ethik in der Wirtschaft weiter anheizen. Bleibt abzuwarten, ob sein Engagement den Konzern stärkt oder neue Skandale provoziert.
Quellen:
- Rheinmetall.com, Dezember 2024 0
- Militaeraktuell.at, 6. Dezember 2024 1
- Wikipedia.org, Stand 2025 2
- Handelsblatt.com, 5. Dezember 2024 6
- Capital.de, 9. Dezember 2024 9
- Verschiedene X-Posts, 2025 15 21 28

