Soldaten an der Tafel – Ein Skandal, der Washington und Berlin gleichermaßen blamiert

Durch | 5. November 2025

Der längste Government Shutdown der US-Geschichte demütigt nicht nur das Weiße Haus, sondern auch die Bundesrepublik. 37.000 amerikanische Soldaten in Ramstein, Grafenwöhr oder Vilseck – jene Männer und Frauen, die Europa vor russischer Aggression abschirmen sollen – wurden von ihrer eigenen Armee aufgefordert, zur Tafel zu gehen. Der Ratgeber mit Links zu Foodsharing-Kühlschränken und Notkrediten verschwand zwar flugs von der Website, doch das Bild bleibt: Uniformträger, die für die Freiheit der westlichen Welt einstehen, müssen sich nun bei deutschen Ehrenamtlichen anstellen, um ihre Familien zu ernähren.

Das ist kein Kollateralschaden, das ist ein Offenbarungseid. Weniger als jede dritte Militärfamilie hat 3.000 Dollar Rücklage – in einem Land, das jährlich 900 Milliarden für Verteidigung ausgibt. In Deutschland schlucken diese Soldaten Mieten von 1.500 Euro und mehr, während ihr Gehalt alle 14 Tage fällig ist. Wenn Washington Mitte November die Kassen schließt, bleibt nichts. Kein Bürgergeld (NATO-Recht verbietet es), kein Kindergeld für die meisten, nur die bittere Erkenntnis, dass Alliierte im Notfall auf sich allein gestellt sind.

Berlin zahlt derweil 43 Millionen Euro für zivile US-Angestellte – eine „Zahlung auf Pump“, die später zurückkommt. Warum nicht dasselbe für die Uniformierten? Weil das SOFA-Abkommen es verbietet? Dann muss das Abkommen geändert werden. Wer von uns verlangt, dass amerikanische Soldaten für unsere Sicherheit bluten, darf nicht zusehen, wie sie hier hungern.

Die eigentliche Schande liegt tiefer. Sie liegt in einem System, das Rekruten mit Werbespots lockt, aber keine existenzsichernden Löhne zahlt. Sie liegt in einer Politik, die Milliarden für neue Waffensysteme findet, aber keine 130 Millionen für die eigenen Leute – außer ein anonymer „Freund“ des Präsidenten spendet sie. Und sie liegt in einer Bundesregierung, die sich als treues NATO-Mitglied inszeniert, aber nicht einmal eine Übergangshilfe für diejenigen schafft, die täglich an unserer Ostflanke üben.

Es ist Zeit für klare Ansagen:

  • Washington muss Soldatengehälter aus dem Shutdown ausklammern – sofort und rückwirkend.
  • Berlin muss eine Ausnahmeregel im SOFA aushandeln: Wer hier stationiert ist, darf nicht verhungern.
  • Beide müssen endlich die strukturelle Armut im US-Militär angehen – mit existenzsichernden Löhnen und Sparprogrammen, die Familien schützen.

Solange das nicht passiert, stehen deutsche Tafeln für mehr als nur karitative Großzügigkeit. Sie stehen für das Versagen zweier Regierungen, die sich auf die Schulter klopfen, während ihre Soldaten Schlange stehen. Das ist kein Bündnisfall – das ist ein Skandal.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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