Studie: Demokratischer Rückschritt in den USA schadet dem Image – doch Unterstützung bleibt stabil

Durch | 2. August 2025

Eine internationale Studie warnt vor den langfristigen Folgen des demokratischen Rückschritts in den USA für das globale Image des Landes. Forscher von Dartmouth College, der Australian National University und der Florida State University haben in Umfragen mit mehr als 11.800 Teilnehmern aus 12 Demokratien festgestellt, dass Informationen über Erosionen der US-Demokratie zu einer deutlich negativeren Wahrnehmung der Vereinigten Staaten führen. Dennoch bleibt die politische Unterstützung für Kooperationen mit Washington weitgehend unberührt – ein Befund, der Theorien zur „Soft Power“ widerspricht. Die Ergebnisse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift PNAS Nexus, werfen Fragen zur Resilienz der US-Außenpolitik auf, insbesondere in der zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump.

Der demokratische Rückschritt in den USA ist seit Jahren ein zentrales Thema in der internationalen Debatte. Ereignisse wie der Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021, bei dem Anhänger des damaligen Präsidenten Trump die Bestätigung der Wahl von Joe Biden zu verhindern suchten, haben weltweit Besorgnis ausgelöst. Bisherige Forschungen konzentrierten sich jedoch hauptsächlich auf die innere Meinungsbildung in den USA. Die neue Studie, die unter dem Titel „Democratic backsliding damages favorable US image among the international public“ am 28. März 2025 erschien, erweitert den Blick auf die globale Perspektive.

Die Forscher – darunter Yusaku Horiuchi von Dartmouth, Benjamin Goldsmith von der Australian National University, Kathleen Powers von Dartmouth und Kelly Matush von der Florida State University – führten drei Umfrageexperimente durch. Diese fanden zwischen Frühjahr 2023 und Februar 2024 statt, also vor der Wiederwahl Trumps im November 2024. Beteiligt waren Bürger aus Australien, Kanada, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Neuseeland, Norwegen, Schweden, dem Vereinigten Königreich, Japan, Indien und Südkorea – allesamt etablierte Demokratien und wichtige Partner der USA.

In der ersten Umfrage im Frühjahr 2023 bewerteten Teilnehmer aus neun Ländern (Australien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Niederlande, Neuseeland, Norwegen, Schweden, UK) auf einer vierstufigen Skala ihre Einstellung zu den USA. Die Hälfte der Befragten erhielt vorab einen hypothetischen Bericht über den demokratischen Niedergang in den USA, der den Kapitol-Sturm und restriktive Wahlgesetze erwähnte, ohne Trump namentlich zu nennen. Die Kontrollgruppe bekam keine solchen Informationen. Das Ziel: Die Auswirkungen von Nachrichten über demokratische Erosion isoliert zu testen, unabhängig von spezifischen Politikern.

Die zweite Umfrage im Juli 2023 in Neuseeland und die dritte im Februar 2024 in Japan, Indien und Südkorea erweiterten das Design. Hier erhielten Teile der „Behandlungsgruppe“ entweder den Bericht zum demokratischen Rückschritt oder einen alternativen Text über einen hypothetischen wirtschaftlichen Abschwung in den USA. Alle Teilnehmer bewerteten anschließend ihr Image der USA und ihre Präferenzen für politische Kooperationen, etwa in Handel, Sicherheit oder Umweltschutz.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Befragte, die über den demokratischen Rückschritt informiert wurden, zeigten eine signifikant niedrigere Favorabilität gegenüber den USA. In quantitativen Terms: Die durchschnittliche positive Bewertung sank um etwa 0,2 bis 0,3 Punkte auf der Skala – ein Effekt, der statistisch signifikant war (p < 0,01 in den meisten Fällen). Im Kontrast dazu hatte der hypothetische wirtschaftliche Niedergang keinen nennenswerten Einfluss auf das Image. „Dies unterstreicht, dass der demokratische Aspekt eine einzigartige Rolle für die Wahrnehmung spielt“, erklärt Co-Autorin Kathleen Powers, außerordentliche Professorin für Politikwissenschaft an Dartmouth.

Überraschend für die Forscher: Trotz des verschlechterten Images blieb die Unterstützung für politische Kooperationen mit den USA stabil. Die Teilnehmer äußerten keine geringere Bereitschaft, Allianzen einzugehen oder US-Politiken zu unterstützen. Dies widerspricht der Theorie der „Soft Power“ von Joseph Nye, wonach die Anziehungskraft eines Landes – basierend auf Werten wie Demokratie – seine außenpolitische Einflussnahme stärkt. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Attraktivität und politische Präferenzen nicht notwendigerweise gekoppelt sind“, kommentiert Yusaku Horiuchi, Professor für Politikwissenschaft und Japanologie an Dartmouth. Er fügt hinzu: „Es wäre faszinierend, die Studie nun in Trumps zweiter Amtszeit zu wiederholen, um zu prüfen, ob sich etwas verändert.“

Die Studie hebt hervor, dass das US-Image ein früher Warnindikator für potenzielle Veränderungen in der internationalen Unterstützung sein könnte. „Wir haben keine Evidenz für eine Abnahme der Kooperationsbereitschaft gefunden, aber ein schwindendes Image könnte signalisieren, dass diese Unterstützung brüchig wird“, warnt Powers. Die Forscher betonen die Einzigartigkeit ihrer Arbeit: Indem sie die Umfragen vor dem Wahlsieg Trumps durchführten, konnten sie Effekte des demokratischen Rückschritts von denen spezifischer Politiken trennen.

Aktuelle Entwicklungen unterstreichen die Relevanz der Studie. Eine Folgeumfrage von Dartmouth aus Mai 2025 – nach den ersten 100 Tagen von Trumps zweiter Amtszeit – zeigt einen dramatischen Rückgang des Vertrauens in die US-Demokratie. Die Confidence-Rate sank auf den niedrigsten Wert in der Geschichte der Umfrage, beeinflusst durch Kontroversen um Einwanderungspolitik, Medienregulierungen und internationale Abkommen. Experten sehen hier einen möglichen Link zu den früheren Befunden: Das verschlechterte Image könnte nun in reale politische Distanz münden.

Kontextuell passt die Studie in eine breitere Debatte über den globalen Demokratierückgang. Laut dem Freedom House-Index hat die US-Demokratie seit 2016 kontinuierlich Punkte verloren, was zu Kritik aus Europa und Asien führt. In Deutschland etwa äußerten Politiker wie ex Außenministerin Annalena Baerbock Besorgnis über die Stabilität transatlantischer Beziehungen. Ähnlich in Asien: Länder wie Japan und Südkorea, Schlüsselpartner im Indopazifik, balancieren zwischen wirtschaftlicher Abhängigkeit von den USA und Skepsis gegenüber inneren Turbulenzen.

Die Autoren planen weitere Forschungen zu „demokratischer Solidarität“ – ob Demokratien einander in Konflikten bevorzugen – und zu Veränderungen in der Außenpolitik bei politischen Umbrüchen. Horiuchi steht für Kommentare zur Verfügung und betont: „Das Verständnis, wie Bürger demokratischer Staaten einander wahrnehmen, ist entscheidend für die Zukunft der US-Außenpolitik.“

Die Studie wurde in PNAS Nexus publiziert (DOI: 10.1093/pnasnexus/pgaf104) und basiert auf peer-reviewed Methoden. Kritiker merken an, dass hypothetische Szenarien reale Verhaltensänderungen nicht vollständig vorhersagen können, doch die große Stichprobe und das experimentelle Design verleihen den Ergebnissen hohe Glaubwürdigkeit.

In Zeiten geopolitischer Spannungen – von Ukraine-Krieg bis Taiwan-Frage – könnte ein erodierendes US-Image Allianzen belasten. Experten fordern Washington auf, demokratische Reformen zu priorisieren, um Soft Power wiederzubeleben. Ob Trumps Administration darauf reagiert, bleibt abzuwarten.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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