Thüringen-Monitor 2024: Hohe Zustimmung zur Demokratie, aber Vertrauenskrise

Durch | 8. Mai 2025

Fast neun von zehn Thüringern (88 %) halten die Demokratie für die beste Staatsform, doch nur 43 % sind mit ihrer praktischen Umsetzung in Deutschland zufrieden – ein neuer Tiefstwert. Das zeigt der Thüringen-Monitor 2024, vorgestellt am 6. Mai von Forschenden der Universität Jena. Das Vertrauen in die Bundesregierung liegt bei nur 19 %, während die Landesregierung mit 38 % an Zustimmung gewinnt.

Die wachsende Unzufriedenheit erklärt Prof. Marion Reiser, Leiterin des Thüringen-Monitors, mit dem Gefühl, dass die Politik die Interessen der Bürger vernachlässige, sowie Ängsten vor wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Abstieg. Dennoch gibt es keine wachsende Unterstützung für autoritäre Alternativen. Allerdings stimmen 14 % der Aussage zu, der Nationalsozialismus habe gute Seiten gehabt, und 41 % sehen die DDR positiv – Einstellungen, die laut Dr. Anne Küppers teilweise mit der Zustimmung zur Demokratie koexistieren.

Rechtsextreme Einstellungen bleiben mit 20 % stabil, während ethnozentrische Haltungen zunehmen: 63 % empfinden eine „Überfremdung“ durch Ausländer. Besorgniserregend ist der Anstieg antisemitischer Einstellungen, insbesondere beim sekundären Antisemitismus (48 %) und israelbezogenem Antisemitismus (30 %), vermutlich beeinflusst durch die Kritik an Israels Politik nach dem Hamas-Angriff 2023.

Die Studie, basierend auf Befragungen von 1.817 Personen zwischen September und Oktober 2024, unterstreicht die Notwendigkeit verstärkter politischer Bildung, um antidemokratischen Tendenzen entgegenzuwirken. Der Thüringen-Monitor, seit 2000 jährlich erhoben, nutzte erstmals ein Mixed-Mode-Design aus Telefon- und Onlinebefragungen.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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