Die Weltpolitik befindet sich in einem Zustand der tektonischen Verschiebung, und Donald Trump steht im Zentrum dieses Bebens. Seine zweite Amtszeit als US-Präsident hat die internationale Bühne in eine Arena verwandelt, in der Deals über Prinzipien triumphieren und langjährige Allianzen auf dem Prüfstand stehen. Das jüngste Treffen der Shanghai Cooperation Organisation (SCO) in Tianjin, bei dem Chinas Präsident Xi Jinping, Russlands Wladimir Putin und Indiens Premierminister Narendra Modi zusammenkamen, unterstreicht die Konsequenzen von Trumps außenpolitischer Doktrin: eine transaktionale, eigennützige Strategie, die die USA von ihren Verbündeten entfremdet und neue Machtkonstellationen begünstigt. Diese Analyse beleuchtet, wie Trump als Isolator agiert und welche langfristigen Folgen sein Kurs für die globale Ordnung birgt.
Der transaktionale Präsident
Trumps Außenpolitik ist geprägt von einem klaren Prinzip: Amerika zuerst, immer und ausschließlich. Anders als seine Vorgänger, die multilaterale Bündnisse wie die NATO oder die UN als Fundament westlicher Dominanz betrachteten, sieht Trump die Welt als Basar, auf dem Deals zwischen starken Akteuren geschlossen werden. Diese Haltung, oft als transaktional beschrieben, ähnelt der Strategie autoritärer Führer wie Putin oder Xi, die nationale Interessen über globale Kooperation stellen. Trumps jüngste Initiativen, wie die Drohung mit Strafzöllen gegen Indien wegen dessen Ölimporte aus Russland, zeigen, dass er bereit ist, selbst engste Partner zu bestrafen, wenn sie seinen Vorstellungen nicht folgen.
Das Treffen zwischen Trump und Putin in Alaska im August 2025 war ein Paradebeispiel für diese Philosophie. Statt konkrete Fortschritte im Ukraine-Konflikt zu erzielen, bot der Gipfel vor allem symbolische Siege für Putin, der auf amerikanischem Boden hofiert wurde, ohne nennenswerte Zugeständnisse machen zu müssen. Die Abwesenheit des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und die vagen Versprechungen über Sicherheitsgarantien für die Ukraine unterstrichen Trumps Präferenz für bilaterale Absprachen zwischen Großmächten über multilaterale Lösungen, die kleinere Staaten einbeziehen.
Das SCO-Treffen: Ein Gegengewicht entsteht
Das Gipfeltreffen der SCO in Tianjin markiert eine Reaktion auf Trumps Politik der Isolation. Die Organisation, die China, Russland, Indien und andere zentralasiatische Staaten umfasst, positioniert sich zunehmend als Gegengewicht zur westlichen Hegemonie. Für Xi Jinping war der Gipfel eine Gelegenheit, Chinas Führungsrolle in einer multipolaren Welt zu festigen. Putin, nach dem diplomatischen Schub durch den Alaska-Gipfel, nutzte die Plattform, um seine internationale Legitimität weiter zu stärken. Modi, der nach Trumps Strafzöllen sichtlich verärgert ist, suchte in Tianjin symbolische Nähe zu seinen östlichen Partnern, was eine Abkehr von Indiens bisheriger Annäherung an den Westen signalisiert.
Die Dynamik des Treffens zeigt, wie Trumps Politik unbeabsichtigte Allianzen fördert. Indiens Entscheidung, die Beziehungen zu China trotz jahrelanger Rivalität zu intensivieren, ist eine direkte Antwort auf Trumps Strafmaßnahmen. Die Wiederaufnahme von Direktflügen zwischen Neu-Delhi und Peking sowie Modis Besuch in China nach sieben Jahren Abstinenz sind klare Zeichen für eine Neuorientierung. Gleichzeitig profitiert China von Russlands geschwächter Position, indem es russisches Öl zu Niedrigpreisen aufkauft, nachdem Indien seine Importe reduzierte. Diese Entwicklungen deuten auf eine zunehmende wirtschaftliche und politische Verflechtung zwischen den SCO-Mitgliedern hin, die Trumps isolationistischer Ansatz indirekt befördert.
Folgen für die globale Ordnung
Die Konsequenzen von Trumps Politik sind weitreichend. Erstens schwächt seine Abkehr von multilateralen Institutionen die Einheit des Westens. Europäische Staaten, die den Alaska-Gipfel als enttäuschend empfanden, sehen sich zunehmend gezwungen, eigene Wege zu gehen. Die Forderung nach einer „Koalition der Willigen“ und die Bereitschaft, Sicherheitsgarantien für die Ukraine ohne volle US-Beteiligung zu entwickeln, zeigen, dass Europa beginnt, sich von Washington zu emanzipieren. Doch diese Eigenständigkeit ist fragil, da die EU in ihrer Außenpolitik oft uneinig bleibt.
Zweitens stärkt Trumps transaktionale Haltung autoritäre Regime. Putins diplomatische Aufwertung durch den Alaska-Gipfel und die ausbleibenden Sanktionen signalisieren, dass Aggression belohnt werden kann. Dies hat weitreichende Implikationen, nicht nur für die Ukraine, sondern auch für andere Konfliktzonen wie Taiwan, wo China die Ergebnisse des Alaska-Gipfels genau studiert. Ein Präzedenzfall, der Russland territorialen Gewinn ohne ernsthafte Konsequenzen ermöglicht, könnte Xi ermutigen, ähnlich expansiv zu handeln.
Drittens riskiert Trump, die USA langfristig zu isolieren. Seine Bereitschaft, traditionelle Verbündete wie Kanada oder europäische Partner unter Druck zu setzen, während er autoritären Führern die Hand reicht, öffnet die Tür für alternative Machtzentren. China positioniert sich zunehmend als verlässlicher Partner für Länder, die von Trumps unberechenbarer Politik frustriert sind. Kleinere Staaten nutzen das entstehende Machtvakuum, um ihre eigene Position zu stärken, was die globale Ordnung weiter fragmentiert.
Ein unsicherer Ausblick
Trumps Außenpolitik mag kurzfristig taktische Vorteile für die USA bringen, etwa durch bilaterale Deals oder wirtschaftlichen Druck. Doch die langfristigen Kosten sind enorm. Indem er die Einheit des Westens untergräbt und autoritäre Akteure stärkt, sägt er am Ast der globalen Ordnung, die den amerikanischen Einfluss über Jahrzehnte gesichert hat. Das SCO-Treffen in Tianjin ist ein Warnsignal: Eine Welt, in der China, Russland und Indien enger zusammenrücken, ist eine Welt, in der die USA an Relevanz verlieren.
Für Europa und die Ukraine bleibt die Herausforderung, auf Trumps Unberechenbarkeit zu reagieren, ohne die eigenen Werte aufzugeben. Die kommenden Monate, insbesondere die geplanten Gespräche zwischen Selenskyj, Putin und möglicherweise Trump, werden zeigen, ob die transaktionale Diplomatie zu einem fragilen Frieden führen kann oder ob sie die Welt weiter in eine Ära der Instabilität stürzt. Eines ist klar: Trump, der Isolator, hat die Karten neu gemischt – und das Spiel ist riskanter denn je.
Quellen:
