Die Trump-Administration hat am 20. März per 30-Tage-General-Lizenz des OFAC Sanktionen gegen iranisches Rohöl und Petroleumprodukte aufgehoben, das bis einschließlich 20. März auf Tankern geladen war. Gültig bis 19. April 2026. Treasury-Secretary Scott Bessent schätzt, dass dadurch etwa 140 Millionen Barrel (ca. 18,7 Millionen Tonnen) auf den Weltmarkt kommen – ein Volumen, das bei aktuellen Preisen (Brent um 112 USD) mehr als 15 Milliarden Dollar wert ist. Offizieller Grund: Entlastung der globalen Versorgungslage und Senkung der explodierenden Energiepreise. Der US-Botschafter bei den UN nennt den Schritt gegenüber CNN „very temporary“ und behauptet, er kontere Teherans Preistreiberei.
In Wahrheit ist es der bisher zynischste Akt in Trumps chaotischer Nahost-Politik: Der Oberbefehlshaber der Kriegspartei entlastet den Gegner finanziell, während US- und israelische Streitkräfte seit Ende Februar iranische Ziele bombardieren – von Kharg Island über Raffinerien bis zu Kommandozentralen am Kaspischen Meer. Gleichzeitig hat die NATO gestern ihre Mission Iraq (NMI) in Bagdad evakuiert: Deutsche Bundeswehr-Soldaten wurden unter akuter Bedrohung durch iranisch-gestützte Milizen mit A400M erst nach Jordanien, dann nach Wunstorf ausgeflogen. Die Mission wird nun aus Neapel ferngesteuert fortgesetzt.
Fakten, schwarz auf weiß:
- Kriegskontext: Seit 28. Februar 2026 Operation „Epic Fury“ – US/Israel-Luft- und Raketenangriffe auf IRGC-Basen, Drohnenfabriken, Marineeinheiten, Minenlager. Iran kontert mit Drohnen auf US-Botschaften, Angriffen auf saudische/VAE-Ölanlagen, Minen in der Straße von Hormuz (Durchfahrten um 80–90 % eingebrochen). Brent-Preis: 112,19 USD (Höchststand seit Kriegsbeginn), US-Durchschnittspreis Benzin: nah an 4,80 USD/Gallone.
- Öl-Entlastung: Die 140 Mio. Barrel entsprechen ca. 1,5 Tagen globalem Verbrauch (EIA). Bessent: „We are using the Iranian barrels against the Iranians“ – für 10–14 Tage Preisdämpfung. Realität: Die meisten dieser Barrel waren bereits an China verkauft (Schattenflotte, Teheran erhält Zahlungen in Yuan/Rial via Umwege). Iran exportierte 2025 ca. 1,4 Mio. Barrel/Tag, davon 80–90 % nach China (oft 8–10 USD Rabatt/Barrel).
- NATO-Rückzug: NMI (Ausbildung irakischer Kräfte gegen IS) komplett aus Bagdad abgezogen – „several hundred“ Soldaten (Reuters). Grund: Eskalierende Angriffe iranisch-irakischer Milizen auf US/NATO-Einrichtungen. Deutsche Beteiligung: A400M-Evakuierungen unter Hochrisiko. Nur Restkräfte (ca. 200 Deutsche) bleiben im Nordirak/Jordanien bei Counter-Daesh/Capacity Building.
- Vorherige Schritte: Vor zwei Wochen temporäre Aufhebung von Russland-Öl-Sanktionen (ähnliches Muster: gestrandete Ladungen freigeben). Strategische Petroleumreserve-Freigaben, Druck auf Verbündete zur Produktionserhöhung – alles kurzfristig, alles panisch.
Konsequenzen, ungeschönt:
- Direkte Finanzspritze für Teheran: Selbst wenn nicht alle 140 Mio. Barrel neu verkauft werden – Iran erhält frische Devisen für ballistische Raketen (inkl. Hyperschall), Drohnen, Proxys (Hisbollah, Huthi, Kataib Hisbollah, Hamas). Atomprogramm (angereichert bis 60 %, Breakout-Zeit unter 2 Wochen) läuft ungestört weiter.
- Strategischer Kollaps im Irak: Ende einer 20-jährigen Stabilisierungsmission. Irak driftet tiefer in iranische Sphäre – genau das Gegenteil von „maximum pressure“ 2018–2021.
- Verbündete desavouiert: Israel (aktiv bombardiert) und Golfstaaten fühlen sich verraten. Saudi-Arabien/VAE drohen mit Gegen-Dumping – interner Ölpreis-Krieg unter US-Schirmherrschaft.
- Glaubwürdigkeitszerstörung: Washington verhängt maximale Sanktionen, führt Krieg, hebt dann Sanktionen auf – alles in Monaten. Kein Land nimmt US-Drohungen oder -Versprechen ernst.
- Preiseffekt minimal: 140 Mio. Barrel = Tropfen auf heißen Stein. Goldman Sachs: Hohe Preise bis 2027 möglich. China profitiert indirekt (billiger Ersatz für ausgefallene iranische Lieferungen? Nein – genau diese Barrel waren für China bestimmt).
Trump hat nie Strategie gehabt – nur Reflexe: erst „maximum pressure“, dann Bomben, jetzt Sanktionsgeschenke, weil Midterms drohen und Zapfsäulen in Swing States entscheidend sind. „Very temporary“? Wie alle seine „temporary“-Maßnahmen: leerer Worthülsen für Kapitulation.
Die Bundeswehr-Soldaten sind zurück. Der Nahe Osten brennt. Teheran kassiert doppelt: an der Front und am Ölmarkt. Trump First hat America in den strategischen Abgrund geführt – und die Rechnung stellen die Mullahs, Peking und die Geschichte.
