Die Bühne ist hell erleuchtet, der Vorhang geht auf – willkommen bei der neuesten Staffel der „Trump Epstein Show“. Am 20. November 2025 unterschrieb Präsident Donald Trump mit großer Geste das Gesetz zur Freigabe aller Epstein-Akten. Rechter und linker Flügel des Kongresses hatten zuvor fast einstimmig gefordert, dass das Justizministerium sämtliche Bundesdokumente zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein unverzüglich veröffentlicht. Die Bilder gingen um die Welt: Trump, umringt von Kameras, Justizministerin Pam Bondi an seiner Seite, die exakt in diesem Moment einen Antrag stellte, langjährig versiegelte Gerichtsprotokolle in Florida zu entsiegeln. Standing Ovations im Kongress, Jubel in den sozialen Medien. Endlich Transparenz, endlich Gerechtigkeit für die Opfer – so das offizielle Narrativ.

Doch wer genau hinschaut, erkennt das alte Muster: Es ist nichts als eine weitere Inszenierung. Die Opfer Epsteins, Dutzende Frauen und Mädchen, die jahrelang missbraucht, gehandelt und gedemütigt wurden, gehen erneut leer aus. Das Gesetz enthält großzügige Ausnahmeklauseln für „nationale Sicherheit“, „laufende Ermittlungen“ und „persönliche Daten Dritter“. Genug Schlupflöcher, um genau jene Namen zu schützen, die am meisten zu verlieren haben – darunter offenbar auch den des amtierenden Präsidenten. Kaum ist die Tinte trocken, lenkt Trump mit einem grotesken „Friedensdiktat“ für die Ukraine ab: Kiew soll Crimea und Donbass endgültig an Russland abtreten, die NATO-Mitgliedschaft verfassungsrechtlich verbieten und unter russischer Aufsicht Neuwahlen abhalten. Ein Plan, der nicht nach Frieden riecht, sondern nach Kapitulation. Perfekt getimt, um die Epstein-Debatte aus den Schlagzeilen zu verdrängen.
Die Faktenlage ist erdrückend. Trump und Epstein waren keine flüchtigen Bekannten. Sie waren eng befreundet – über ein Jahrzehnt lang. Epstein selbst prahlte in aufgezeichneten Gesprächen mit dem Autor Michael Wolff, er sei „Donald Trumps engster Freund für zehn Jahre“ gewesen. Er erzählte von Partys, auf denen Trump die Ehefrauen seiner Freunde verführte, von der ersten Nacht mit Melania Knauss an Bord der „Lolita Express“, von Stunden, die Trump in Epsteins Palm Beach-Villa mit minderjährigen Mädchen verbracht habe. Im November 2025 veröffentlichte E-Mails aus dem Bestand des House Oversight Committee belegen, dass Epstein gegenüber Vertrauten schrieb: „Trump wusste von den Mädchen.“ Fluglisten zeigen Trump mehrfach an Bord von Epsteins Jet in den 1990er Jahren. Trump selbst nannte Epstein 2002 in einem Interview einen „terrific guy“, der „junge Frauen genauso mag wie ich – auf der jüngeren Seite“.
Der Bruch kam erst 2004/2005, nachdem Epstein versuchte, Trump bei einem Immobilien-Deal zu überlisten. Trump verbannte ihn aus Mar-a-Lago – zu einem Zeitpunkt, als die ersten Ermittlungen gegen Epstein bereits liefen. 2008 sicherte sich Epstein dann jenen skandalösen Non-Prosecution-Deal unter Alex Acosta, den Trump 2019 zum Arbeitsminister machte. Zufall? Kaum.
Die aktuelle Gesetzesunterzeichnung ist kein Akt der Läuterung, sondern Schadensbegrenzung. Das Justizministerium hat bereits signalisiert, dass „technische und rechtliche Hürden“ die vollständige Veröffentlichung verzögern werden. Die Ausnahmeklauseln erlauben weiterhin massive Schwärzungen. Justizministerin Bondi mag vor Gericht die Entsiegelung beantragen – doch gleichzeitig kämpft dieselbe Behörde mit Zähnen und Klauen darum, genau jene Passagen geheim zu halten, die Trump belasten könnten.
Genau in diesem Moment schiebt Trump seinen Ukraine-Plan nach vorn – ein Dokument, das Putin selbst nicht besser hätte formulieren können. Kiew hat bis zum 27. November Zeit, sonst droht der komplette Entzug amerikanischer Hilfe. Die Botschaft ist klar: Wer nicht kuscht, wird fallen gelassen. Während die Welt über diesen geopolitischen Erpressungsversuch diskutiert, verblasst die Epstein-Causa im Hintergrund. Ein Ablenkungsmanöver, so offensichtlich wie wirkungsvoll.
Die juristische Konsequenz kann nur eine sein: Impeachment.
Artikel II Abschnitt 4 der US-Verfassung sieht die Amtsenthebung des Präsidenten vor bei „Treason, Bribery, or other high Crimes and Misdemeanors“. Die fortgesetzte Vertuschung von Epstein-relevanten Beweisen erfüllt den Tatbestand der Behinderung der Justiz (Obstruction of Justice) nach 18 U.S.C. § 1503 und § 1512 in mehrfacher Hinsicht:
- Wissentlichkeit (Mens rea): Trump wusste nachweislich von Epsteins kriminellen Aktivitäten – spätestens seit den 1990er Jahren, spätestens seit Epsteins eigenen Aussagen und E-Mails.
- Handlung (Actus reus): Durch die bewusste Verzögerung und Schwärzung der Aktenfreigabe trotz eindeutigen Kongressbeschlusses behindert die Exekutive aktiv laufende und künftige Strafverfahren gegen Mittäter und Nutznießer des Epstein-Netzwerks.
- Korruptes Motiv: Die parallele Inszenierung des Ukraine-Diktats dient erkennbar der Ablenkung von der eigenen Verstrickung – ein klassischer Fall von „corruptly“ im Sinne der Obstruction-Statuten.
Die Rechtsprechung ist eindeutig: Auch ein Präsident kann wegen Obstruction of Justice angeklagt und verurteilt werden (siehe United States v. Nixon, 1974; die Mueller-Report-Analysen von 2019; die Impeachment-Artikel gegen Nixon und Clinton). Das Amt schützt nicht vor Strafverfolgung, wenn die Tat im Amt begangen wird und das Amt selbst als Instrument der Vertuschung dient.
Die Opfer Epsteins haben ein verfassungsrechtlich verbrieftes Recht auf ein faires Verfahren und auf vollständigen Zugang zu Beweismitteln. Indem Trump dieses Recht systematisch sabotiert, verstößt er gegen seinen Amtseid, die Gesetze „faithfully“ auszuführen. Das ist kein politischer Streit mehr – das ist ein Verfassungsverbrechen.
Das Repräsentantenhaus ist daher verpflichtet, unverzüglich Impeachment-Artikel einzubringen:
- Artikel 1: Behinderung der Justiz durch systematische Verzögerung und Schwärzung der Epstein-Akten
- Artikel 2: Missbrauch des Präsidialamtes zur Ablenkung von eigenen strafrechtlich relevanten Verbindungen
- Artikel 3: Verletzung des Amtseids durch vorsätzliche Sabotage gesetzlicher Transparenzpflichten
Der Senat hat dann die Pflicht, den Präsidenten abzusetzen und ihm die Ausübung jedes künftigen Amtes zu verbieten.
Die Opfer von Jeffrey Epstein warten seit über zwanzig Jahren auf Gerechtigkeit. Sie haben ein Recht darauf, dass alle Täter und Mitwisser benannt werden – auch wenn einer von ihnen im Weißen Haus sitzt. Solange Donald Trump Präsident ist, wird diese Gerechtigkeit nicht kommen. Er hat sich selbst zum Schutzschild seines eigenen dunklen Kapitels gemacht.
Es ist Zeit, den Vorhang endgültig fallen zu lassen.
Impeachment jetzt. Für die Opfer. Für die Wahrheit. Für die Republik.
Das Editorial erschien im Original auf Englisch bei defense-news.io
