Der US-Verbrauchervertrauensindex des Conference Board ist im Januar 2026 deutlich eingebrochen und hat den niedrigsten Stand seit Mai 2014 erreicht. Der Index fiel um 9,7 Punkte auf 84,5 (Basis 1985=100), nach einem nach oben revidierten Wert von 94,2 im Dezember. Dieser Rückgang übertrifft sogar die Tiefstände während der COVID-19-Pandemie und signalisiert wachsende Pessimismus unter US-Verbrauchern.
Starke Rückgänge in allen Komponenten
Der Present Situation Index, der die Einschätzung der aktuellen Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage widerspiegelt, sank um 9,9 Punkte auf 113,7. Die Wahrnehmung der aktuellen Geschäftslage verschlechterte sich auf nahezu neutral (+0,1 % netto „gut“ minus „schlecht“). Die Einschätzung des Arbeitsmarkts kühlte weiter ab: Nur noch 23,9 % der Befragten empfanden Jobs als „plentiful“ (reichlich vorhanden), gegenüber 27,5 % im Vormonat, während 20,8 % Jobs als „hard to get“ (schwer zu bekommen) bezeichneten – ein Anstieg gegenüber 19,1 %.
Der Expectations Index, der die kurzfristigen Erwartungen für Einkommen, Geschäftslage und Arbeitsmarkt abbildet, gab um 9,5 Punkte auf 65,1 nach. Dieser Wert liegt deutlich unter der kritischen Schwelle von 80, die historisch häufig mit einer bevorstehenden Rezession einhergeht. Alle fünf Unterkomponenten des Gesamtindex verschlechterten sich im Januar.
Zitate und Interpretation der Experten
Dana M. Peterson, Chefökonomin des Conference Board, kommentierte: „Das Vertrauen ist im Januar kollabiert, da die Sorgen der Verbraucher sowohl bezüglich der aktuellen Lage als auch der Zukunft tiefer geworden sind. Alle fünf Komponenten des Index haben sich verschlechtert und den Gesamtwert auf den niedrigsten Stand seit Mai 2014 (82,2) gedrückt – und damit sogar unter die Pandemie-Tiefs.“
In den freien Kommentaren der Befragten dominierten pessimistische Nennungen: Preise und Inflation, Öl- und Benzinpreise, Lebensmittel- und Lebensmittelkosten blieben hoch. Erwähnungen von Zöllen und Handel, Politik, Arbeitsmarkt, Gesundheit/Versicherungen und Krieg nahmen zu.
Demografische und weitere Entwicklungen
Auf Basis gleitender Sechs-Monats-Durchschnitte sank das Vertrauen in allen Altersgruppen, wobei Unter-35-Jährige (insbesondere Gen Z) weiterhin optimistischer blieben als Ältere. Nach Einkommensgruppen fiel das Vertrauen überall, am schwächsten bei Haushalten unter 15.000 USD. Politisch übergreifend ging das Vertrauen zurück – am stärksten bei Unabhängigen.
Die Erwartungen an die Zinsentwicklung 12 Monate voraus verbesserten sich leicht (weniger Netto-Anstiege erwartet, vermutlich nach der Fed-Zinssenkung im Dezember). Die Inflationserwartungen (12 Monate) stiegen im Durchschnitt, sanken jedoch im Median weiter. Die Stimmung zu Aktienkursen kühlte ab.
Ausblick auf Konsum und Rezessionsängste
Die Kaufpläne für langlebige Konsumgüter (Autos, Möbel, Haushaltsgeräte, Elektronik) nahmen ab – besonders bei Häusern und neuen Autos. Gebrauchtwagen blieben relativ gefragt. Bei Dienstleistungen zeigten sich Verbraucher vorsichtiger: Weniger „Ja“ zu Ausgaben, mehr „Vielleicht“. Dennoch blieben Restaurants/Take-out, Streaming/Internet, Reisen (Hotels, Flüge) und Gesundheit/Beauty stark.
Die Einschätzung der eigenen finanziellen Lage verbesserte sich leicht (aktuell), verschlechterte sich jedoch bei der Zukunftserwartung. Die Rezessionswahrscheinlichkeit wurde wieder pessimistischer bewertet: Der Anteil, der eine Rezession für „very likely“ hält, stieg leicht, ebenso wie jener, der meint, die USA seien bereits in einer.
Kontext und Marktreaktion
Die Umfrage (Cutoff: 16. Januar 2026) wurde von Toluna für das Conference Board durchgeführt. Der Index wird monatlich am letzten Dienstag um 10 Uhr ET veröffentlicht. Der starke Rückgang (deutlich unter den Erwartungen von ca. 90–91 Punkten) unterstreicht anhaltende Belastungen durch Inflationstrauma, geopolitische Unsicherheiten, Zollpolitik und einen sich abschwächenden Arbeitsmarkt – trotz früherer geldpolitischer Lockerungen.
Der Einbruch des Conference-Board-Index steht im Kontrast zu moderat positiveren Signalen beim University-of-Michigan-Index (der im Januar auf 56,4 stieg), zeigt aber insgesamt eine tiefe Verunsicherung der US-Verbraucher zu Jahresbeginn 2026. Dies könnte den privaten Konsum – zentrale Stütze der US-Wirtschaft – spürbar bremsen und Rezessionsrisiken erhöhen.
