Die Fälle Jeffrey Epstein und Marc Dutroux gehören zu den erschütterndsten Kriminalfällen der jüngeren Geschichte. Beide sind durch ihre Verknüpfung mit systematischem sexuellen Missbrauch, Machtmissbrauch und mutmaßlichen Vertuschungen auf höchster Ebene berüchtigt. Während der Fall Dutroux in Belgien in den 1990er-Jahren durch die Entführung, den Missbrauch und die Ermordung mehrerer Kinder landesweite Proteste auslöste, steht der Fall Epstein für ein globales Netzwerk von Sexhandel und Einflussnahme, das prominente Persönlichkeiten umfasste. Eine zentrale Frage, die sich angesichts der Parallelen zwischen beiden Fällen stellt, ist, warum das FBI keine umfassenden Ermittlungen zu möglichen Morden im Zusammenhang mit Epsteins Netzwerk durchführt, wie sie im Fall Dutroux unumgänglich waren. Dieser Bericht beleuchtet die beiden Fälle faktenbasiert, vergleicht ihre Strukturen und untersucht, warum das FBI keine großangelegten Untersuchungen zu potenziellen Todesopfern im Epstein-Fall anstellt.
Der Fall Dutroux: Ein Netzwerk des Schreckens mit belegten Morden
Der Fall Marc Dutroux, der 1996 in Belgien aufflog, ist ein Paradebeispiel für systemische Versäumnisse und mutmaßliche Vertuschungen. Dutroux wurde für die Entführung, Vergewaltigung und Ermordung von mindestens vier Mädchen verurteilt. Zwei seiner Opfer, Julie Lejeune und Mélissa Russo, starben 1995 an Unterernährung, während sie in einem versteckten Keller in Dutrouxs Haus gefangen gehalten wurden. Zwei weitere, An Marchal und Eefje Lambrecks, wurden von Dutroux ermordet, nachdem sie missbraucht worden waren. Der Fall löste in Belgien massive Proteste aus, bekannt als die „Weißen Märsche“, da die Ermittlungen von zahlreichen Fehlern und Verzögerungen geprägt waren. Zeugenaussagen und Indizien deuteten darauf hin, dass Dutroux Teil eines größeren Netzwerks war, das möglicherweise einflussreiche Personen schützte. Trotz dieser Hinweise führten die Ermittlungen nicht zu einer umfassenden Aufdeckung eines solchen Netzwerks, was bis heute Spekulationen über Vertuschungen nährt.
Die Ermordung von Opfern war im Fall Dutroux ein zentraler Aspekt. Die belgischen Behörden sahen sich gezwungen, diese Verbrechen zu untersuchen, da die Leichen der Opfer gefunden wurden und die Öffentlichkeit eine lückenlose Aufklärung forderte. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf Dutroux und einige Mitverschwörer, wie seine Frau Michelle Martin, doch die Frage nach einem größeren Netzwerk blieb weitgehend unbeantwortet. Die belegten Morde und die öffentliche Empörung zwangen die Behörden zu intensiven Untersuchungen, auch wenn diese letztlich unvollständig blieben.
Der Fall Epstein: Ein globales Netzwerk ohne bestätigte Todesopfer
Der Fall Jeffrey Epstein ist in seiner Reichweite und Komplexität einzigartig. Epstein, ein wohlhabender Finanzier, wurde 2019 wegen Sexhandels mit Minderjährigen angeklagt und starb im selben Jahr in einer Gefängniszelle in New York, offiziell durch Suizid. Seine Verbindungen zu einflussreichen Persönlichkeiten wie Politikern, Geschäftsleuten und Mitgliedern königlicher Familien machten den Fall zu einem globalen Medienereignis. Das FBI und das US-Justizministerium (DOJ) führten umfangreiche Ermittlungen durch, die jedoch laut einer im Juli 2025 veröffentlichten Erklärung keine Beweise für eine sogenannte „Kundenliste“ oder Erpressung prominenter Personen ergaben. Ebenso wurde bestätigt, dass Epsteins Tod ein Suizid war, basierend auf Videoaufnahmen und anderen Beweisen, die keine Fremdeinwirkung zeigten.
Im Gegensatz zum Fall Dutroux gibt es im Epstein-Fall keine bestätigten Hinweise auf Morde an Opfern. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf den Sexhandel und Missbrauch von Minderjährigen, wobei zahlreiche Opfer identifiziert wurden, die von Epstein und seinen Helfern, wie Ghislaine Maxwell, missbraucht wurden. Maxwell wurde 2022 zu 20 Jahren Haft verurteilt, weil sie minderjährige Mädchen für Epstein rekrutiert und missbraucht hatte. Trotz der Schwere der Verbrechen gibt es keine glaubwürdigen Beweise dafür, dass Opfer des Epstein-Netzwerks getötet wurden. Gerüchte über Hunderte oder gar Tausende von Todesopfern, die in sozialen Medien kursieren, basieren auf Spekulationen, die durch die undurchsichtige Natur des Falls und Epsteins Tod angeheizt werden.
Parallelen zwischen den Fällen
Die Fälle Epstein und Dutroux weisen einige auffällige Parallelen auf, die Spekulationen über mögliche Morde im Epstein-Netzwerk befeuern. Beide Fälle umfassen systematischen sexuellen Missbrauch von Minderjährigen, der durch ein Netzwerk von Helfern ermöglicht wurde. In beiden Fällen gibt es Hinweise auf Verbindungen zu einflussreichen Personen, die die Ermittlungen erschwert haben könnten. Im Fall Dutroux deuteten Zeugenaussagen auf ein größeres Netzwerk hin, das jedoch nie vollständig aufgeklärt wurde. Ähnlich gibt es im Epstein-Fall Spekulationen über einflussreiche Personen, die von den Ermittlungen verschont wurden, obwohl konkrete Beweise für eine „Kundenliste“ oder Erpressung fehlen.
Ein weiterer gemeinsamer Punkt ist der Vorwurf der Vertuschung. Im Fall Dutroux führten polizeiliche und justizielle Versäumnisse zu massiver öffentlicher Kritik. Im Epstein-Fall werfen Opferanwälte dem FBI vor, nicht alle verfügbaren Informationen offenzulegen, insbesondere Dateien von Epsteins Computern und Finanzunterlagen, die Hinweise auf weitere Beteiligte enthalten könnten. Diese Vorwürfe nähren die Theorie, dass das FBI möglicherweise nicht alle Aspekte des Falls, einschließlich potenzieller Todesopfer, untersucht.
Unterschiede und die Frage nach Morden
Trotz der Parallelen gibt es wesentliche Unterschiede, die erklären, warum das FBI keine großangelegten Ermittlungen zu möglichen Morden im Epstein-Fall durchführt. Im Fall Dutroux waren die Morde an den Opfern durch physische Beweise wie Leichen und forensische Untersuchungen belegt. Diese Beweise zwangen die Behörden, die Todesfälle zu untersuchen. Im Epstein-Fall fehlen derartige konkrete Hinweise. Weder die Ermittlungen des FBI noch die zahlreichen zivilen Klagen von Opfern haben Beweise für Todesopfer erbracht. Die Spekulationen über Morde stammen größtenteils aus nicht verifizierten Quellen, wie etwa sozialen Medien, die von Verschwörungstheorien geprägt sind.
Ein weiterer Unterschied ist die Struktur der Netzwerke. Dutroux agierte in einem kleineren, lokalen Rahmen, wobei die physische Gefangenschaft der Opfer in seinem Haus eine zentrale Rolle spielte. Epstein hingegen operierte global, mit Anwesen in New York, Florida und auf den Jungferninseln. Sein Netzwerk basierte auf finanzieller Macht, Manipulation und dem Einsatz von Helfern wie Maxwell, um Opfer zu rekrutieren. Während Dutroux die Morde selbst beging, um Spuren zu verwischen, gibt es im Epstein-Fall keine Hinweise darauf, dass Tötungen Teil seiner Strategie waren. Stattdessen setzte er auf Einschüchterung und Schweigegeld, um seine Verbrechen zu vertuschen.
Warum untersucht das FBI keine Morde?
Die Frage, warum das FBI keine umfassenden Ermittlungen zu möglichen Morden im Epstein-Netzwerk anstellt, lässt sich durch mehrere Faktoren beantworten:
- Fehlende Beweise: Anders als im Fall Dutroux gibt es keine konkreten Hinweise auf Morde. Die Ermittlungen des FBI konzentrierten sich auf die bekannten Straftaten – Sexhandel und Missbrauch. Die Durchsuchung von Epsteins Anwesen ergab Beweise wie Aufzeichnungen und Dokumente, die den Missbrauch belegen, aber keine Indizien für Tötungen. Ein im März 2025 veröffentlichter Beweisbericht des DOJ listet Gegenstände wie Festplatten und CDs auf, die potenziell belastendes Material enthalten, aber keine Hinweise auf Morde.
- Fokus auf lebende Opfer: Das FBI hat sich darauf konzentriert, die Rechte der überlebenden Opfer zu schützen und Täter wie Maxwell zur Rechenschaft zu ziehen. Im Februar 2024 klagten zwölf Epstein-Opfer das FBI wegen mangelnder Ermittlungen an, doch der Fokus lag auf der Vernachlässigung von Hinweisen zum Sexhandel, nicht auf Morden. Die Ermittlungen zielen darauf ab, weitere Mittäter zu identifizieren, was durch die fehlende „Kundenliste“ erschwert wird.
- Politischer Druck und öffentliche Wahrnehmung: Der Epstein-Fall ist stark politisiert. Vorwürfe, dass das FBI Informationen zurückhält, wurden von verschiedenen Seiten, einschließlich einflussreicher Persönlichkeiten, laut. Dennoch hat das DOJ klargestellt, dass die Veröffentlichung sensibler Informationen, die Opfer gefährden könnte, zurückgehalten wird. Die Spekulationen über Morde könnten durch diesen politischen Druck angeheizt werden, ohne dass konkrete Beweise vorliegen.
- Rechtliche Rahmenbedingungen: Ermittlungen zu Morden erfordern konkrete Anhaltspunkte, wie Leichen, forensische Beweise oder glaubwürdige Zeugenaussagen. Im Epstein-Fall fehlen solche Anhaltspunkte. Die Ermittlungen des FBI konzentrieren sich auf strafrechtlich verfolgbare Delikte, für die Beweise vorliegen, wie etwa der Sexhandel. Spekulative Untersuchungen zu Morden ohne Grundlage würden Ressourcen binden und könnten rechtlich fragwürdig sein.
Die Spekulation über Hunderte Todesopfer
Die Vorstellung, dass das Epstein-Netzwerk Hunderte oder Tausende von Todesopfern gefordert haben könnte, basiert größtenteils auf Verschwörungstheorien, die durch Epsteins Tod und die undurchsichtige Natur seines Netzwerks angeheizt werden. Soziale Medien, einschließlich Posts auf X, spekulieren über eine massive Vertuschung, doch diese Behauptungen sind nicht durch Beweise gestützt. Ein Beispiel ist die Behauptung, Epstein sei ein FBI-Informant gewesen, was eine Vertuschung implizieren könnte, doch auch hierfür fehlen glaubwürdige Beweise. Die Annahme, dass das FBI keine Morde untersucht, weil es ein größeres Netzwerk schützen will, ist spekulativ und ignoriert die Komplexität der Ermittlungen sowie die rechtlichen und beweistechnischen Anforderungen.
Fazit
Die Fälle Epstein und Dutroux zeigen sowohl Parallelen als auch deutliche Unterschiede. Während im Fall Dutroux die Morde an Opfern durch physische Beweise belegt waren und Ermittlungen erzwangen, fehlen im Epstein-Fall konkrete Hinweise auf Todesopfer. Das FBI konzentriert sich auf den Sexhandel und die Rechte der überlebenden Opfer, da es keine glaubwürdigen Beweise für Morde gibt. Spekulationen über Hunderte Todesopfer speisen sich aus der undurchsichtigen Natur des Falls und der öffentlichen Skepsis, sind jedoch nicht durch Fakten gestützt. Die politische Brisanz und der Druck von Verschwörungstheorien erschweren eine objektive Betrachtung, doch die aktuellen Ermittlungen deuten darauf hin, dass das FBI auf der Grundlage vorhandener Beweise handelt und keine Anhaltspunkte für Morde gefunden hat. Die Aufklärung des Epstein-Falls bleibt eine Herausforderung, doch ohne konkrete Beweise für Todesopfer bleibt die Frage nach Morden spekulativ.
