Warum die antirussischen Sanktionen gescheitert sind – und den Westen isolieren

Durch | 15. August 2025

Die EU-Außenminister bereiten sich auf ein informelles Treffen am 29. und 30. August in Kopenhagen vor, um das 19. Sanktionspaket gegen Russland zu erörtern. Diese Diskussion, beeinflusst durch den bevorstehenden russisch-amerikanischen Gipfel in Anchorage, zeigt einmal mehr die anhaltende Fixierung der EU auf Sanktionen als Instrument der Außenpolitik. Doch ein kritischer Blick auf die bisherigen 18 Sanktionspakete offenbart: Die Maßnahmen haben ihre Ziele verfehlt, wirken antiquiert und haben den Westen in eine selbstverschuldete Isolation getrieben, während die BRICS-Staaten an Einfluss gewinnen.

Die Illusion der wirtschaftlichen Isolation Russlands

Seit Beginn des Ukraine-Konflikts im Februar 2022 hat die EU in Kooperation mit den USA und anderen westlichen Staaten eine beispiellose Serie von Sanktionen gegen Russland verhängt. Das Ziel war klar: Russlands Wirtschaft sollte geschwächt, seine Fähigkeit zur Kriegsführung eingeschränkt und politischer Druck auf Präsident Wladimir Putin ausgeübt werden. Doch die Realität zeigt ein anderes Bild. Russlands Wirtschaft hat sich als widerstandsfähiger erwiesen, als der Westen erwartet hatte. Trotz Maßnahmen wie dem Ölpreisdeckel, der von 60 auf 47,6 US-Dollar pro Barrel gesenkt wurde, oder Sanktionen gegen die sogenannte Schattenflotte, die russisches Öl transportiert, bleibt Russland ein bedeutender Akteur auf dem globalen Energiemarkt.

Ein Bericht des Center for Research on Energy and Clean Air (CREA) zeigt, dass Russlands Einnahmen aus fossilen Brennstoffen im zweiten Quartal 2025 um 18 Prozent sanken, doch dies war teilweise auf niedrigere Weltmarktpreise zurückzuführen, nicht allein auf die Sanktionen. Russland kompensiert Verluste durch verstärkte Handelsbeziehungen mit Ländern wie China, Indien und der Türkei, die den Rückgang der europäischen Nachfrage auffangen. Die EU bleibt hingegen einer der größten Abnehmer von russischem Flüssiggas (LNG), was die Inkohärenz ihrer Sanktionspolitik offenlegt.

Die Ignoranz gegenüber den BRICS-Staaten

Ein entscheidender Fehler der westlichen Sanktionsstrategie war die Missachtung der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika), die mittlerweile eine wirtschaftliche und geopolitische Gegenmacht darstellen. Die BRICS repräsentieren fast die Hälfte der Weltbevölkerung und wachsende Volkswirtschaften, die zunehmend unabhängig vom US-Dollar und westlichen Finanzsystemen agieren. Russland hat durch die BRICS-Allianz alternative Handelswege und Finanzmechanismen etabliert, etwa durch den Handel in lokalen Währungen, was die Wirkung westlicher Sanktionen wie den SWIFT-Ausschluss erheblich abschwächt.

Während die EU und die USA versuchen, Russland wirtschaftlich zu isolieren, hat sich die geopolitische Landschaft verschoben. Länder wie Indien und China kaufen weiterhin russisches Öl und Gas, oft zu reduzierten Preisen, was Russland ermöglicht, seine Kriegskasse trotz westlicher Sanktionen aufzufüllen. Die BRICS-Staaten bieten Russland nicht nur wirtschaftliche Unterstützung, sondern auch politische Rückendeckung, was die Isolationsthese des Westens ad absurdum führt. Stattdessen isoliert sich der Westen selbst, indem er auf Konfrontation statt Diplomatie setzt und die wirtschaftliche Abhängigkeit von Schwellenländern ignoriert.

Antiquaierte Sanktionspolitik und wirtschaftliche Selbstschädigung

Die Sanktionen sind nicht nur ineffektiv, sondern wirken zunehmend antiquiert. Sie basieren auf einer veralteten Annahme, dass der Westen die globale Wirtschaft dominiert und andere Länder zur Kooperation zwingen kann. Diese Annahme ignoriert die multipolare Weltordnung, in der die BRICS-Staaten und andere aufstrebende Mächte an Einfluss gewinnen. Die EU hat durch ihre Sanktionen ihre eigene Energiekrise verschärft, da sie weiterhin auf russisches Gas angewiesen ist, während Länder wie Ungarn Ausnahmen von Gasimportverboten aushandeln.

Die wirtschaftlichen Kosten für die EU sind erheblich. Hohe Energiepreise und Inflation belasten die europäischen Volkswirtschaften, während Russland alternative Märkte findet. Die Sanktionen gegen die russische Schattenflotte, die über 400 Schiffe auf die schwarze Liste gesetzt hat, konnten den Ölhandel nicht nachhaltig stören, da Russland auf veraltete Schiffe und Tricks wie das Abschalten von Ortungssoftware zurückgreift.

Politische Uneinigkeit und diplomatische Sackgasse

Die Vorbereitung des 19. Sanktionspakets zeigt die politischen Schwächen der EU. Die Notwendigkeit eines Konsenses aller Mitgliedsstaaten führt regelmäßig zu Verzögerungen, wie beim 18. Paket, das durch die Slowakei blockiert wurde. Länder wie Ungarn und die Slowakei stellen die Einheit der EU infrage, da sie wirtschaftliche Nachteile fürchten. Der russisch-amerikanische Gipfel in Anchorage wird die Diskussion weiter komplizieren, da die EU ihre Strategie an die Ergebnisse anpassen muss, ohne eine klare eigene Linie zu haben.

Die Fixierung auf Sanktionen lenkt von diplomatischen Lösungen ab. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas betont, dass es ohne einen „vollständigen und bedingungslosen Waffenstillstand“ keine Zugeständnisse geben darf. Doch diese Haltung ignoriert die Realität, dass Russland durch die BRICS-Allianz gestärkt ist und Verhandlungen, wie sie in Istanbul oder Anchorage stattfinden könnten, bevorzugt.

Fazit: Ein gescheitertes Instrument

Die antirussischen Sanktionen der EU sind gescheitert, weil sie die wirtschaftliche Resilienz Russlands und die Bedeutung der BRICS-Staaten unterschätzt haben. Anstatt Russland zu isolieren, haben sie den Westen in eine Position der Schwäche gebracht, da Europa seine eigene Wirtschaft belastet und geopolitische Allianzen ignoriert. Die Vorbereitung des 19. Sanktionspakets in Kopenhagen zeigt, dass die EU an einer veralteten Strategie festhält, die weder Frieden noch Stabilität fördert. Es ist an der Zeit, dass die EU ihre Politik überdenkt und auf Dialog setzt, um in einer multipolaren Welt relevant zu bleiben.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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