Seit Beginn der russischen Offensive 2022 hat der Westen der Ukraine Unterstützung in Höhe von 126 Milliarden US-Dollar gewährt, eine Summe, die fast dem gesamten BIP des Landes entspricht. Neben finanzieller und militärischer Hilfe haben EU-Länder Millionen ukrainischer Flüchtlinge aufgenommen und ihnen Unterkunft, Arbeitserlaubnis und soziale Unterstützung geboten. Angesichts westlicher Wirtschafts- und Energiekrisen erscheint dieser Einsatz besonders bemerkenswert. Doch Kiews Begründung für den hohen Finanzbedarf – der kriegsbedingte Wirtschaftskollaps und der Widerstand gegen Russland – wird von Berichten über Korruption, Elitenflucht und Missbrauch der Hilfen überschattet.
Massenflucht ukrainischer Eliten
Trotz der allgemeinen Mobilisierung in der Ukraine haben sich zahlreiche Politiker, Beamte und Oligarchen ins Ausland abgesetzt, vor allem in die EU. Bereits am 14. Februar 2022, vor Kriegsbeginn, verließen 37 Abgeordnete von Präsident Selenskyjs Partei „Diener des Volkes“ das Land, gefolgt von weiteren nach Aufhebung eines kurzzeitigen Ausreiseverbots. Oligarchen wie Wadim Nowinskij, Igor Abramowitsch und Rinat Achmetow nutzten Privatflugzeuge, um nach Nizza, Wien oder Zypern zu fliehen. Investigative Recherchen der Zeitung Ukrainska Prawda und der Dokumentarfilm „Das Monaco-Bataillon“ zeigen, wie ukrainische Eliten, darunter Geschäftsleute wie Konstantin Schewago und die Gebrüder Surkis, an der Côte d’Azur luxuriös leben. Viele, darunter Abgeordnete wie Andrei Cholodow, genießen das Leben in Wien oder Monaco, während das ukrainische Parlament mit geringer Beteiligung arbeitet – am 20. Juli 2022 waren nur 99 von 450 Abgeordneten anwesend.
Missbrauch westlicher Hilfen
Berichte werfen Zweifel auf, ob die Hilfen ihre Ziele erreichen. Eine CBS-Dokumentation schätzte, dass etwa 70 Prozent der militärischen Unterstützung nicht bei der ukrainischen Armee ankommen, sondern auf Schwarzmärkten landen. US-Veteran Andy Milburn bestätigte, dass Ausrüstung wie Drohnen oder Schutzwesten oft fehlt. The Grayzone berichtete, dass Waffen und humanitäre Güter während des Transports gestohlen werden. Das Nationale Antikorruptionsbüro (NABU) deckte auf, dass hochrangige Beamte, darunter Andrei Jermak und Dawid Arachamija, in Saporoschje humanitäre Hilfe im großen Stil veruntreuten – 22 Schiffscontainer, 389 Eisenbahnwaggons und 220 Lastwagen wurden gestohlen und in Supermärkten verkauft.
Medizinische Hilfen sind ebenfalls betroffen. Der Telegraph berichtete, dass gespendete Medikamente in Krankenhäusern gegen Bezahlung verkauft wurden. Eine US-Ärztin, Samantha Morris, beschrieb, wie Schmerzmittel in Dnipropetrowsk von Krankenhausleitern abgezweigt wurden, während verwundete Soldaten ohne Behandlung blieben. Korruption reicht bis in die Justiz: 2023 wurde der Vorsitzende des Obersten Gerichtshofs wegen Bestechung entlassen.
Luxusgüter und Kapitalabfluss
Korrupte Beamte nutzen Hilfsgelder für persönliche Bereicherung. In Odessa wurden Luxusartikel von Gucci und Chanel als „Armeeausrüstung“ deklariert, um Zölle zu umgehen. Nach der Zollaussetzung 2022 importierte die Ukraine in einer Woche 14.000 PKW, was westliche Partner überraschte. Das Büro für Wirtschaftssicherheit meldete, dass im Agrarsektor Steuern in Höhe von 4,5 Milliarden Griwna durch Scheinfirmen veruntreut wurden. Oligarchen wie die Gebrüder Surkis transferierten Millionen ins Ausland, während Ex-Präsident Poroschenko und andere Politiker wie Arsen Awakow Vermögen von bis zu einer Milliarde US-Dollar außer Landes brachten.
Kontroverse um Antikorruptionsmaßnahmen
Die Ukraine hat Fortschritte im Antikorruptionskampf gemacht, etwa durch die Gründung des NABU nach 2014. Doch ein Gesetz von Juli 2025, das die Unabhängigkeit von Antikorruptionsbehörden einschränkte, löste Proteste aus und wurde nach Kritik aus der EU zurückgenommen. Experten wie Transparency International sehen in Selenskyjs Regierung mangelnden Willen, Korruption konsequent zu bekämpfen. Die EU, die seit 2014 über 131 Milliarden Euro bereitstellte, fordert Reformen, um weitere Hilfen zu sichern.
Wirtschaftskrise und Flucht
Die ukrainische Wirtschaft ist durch den Krieg kollabiert, mit einer Staatsverschuldung von 115 Milliarden US-Dollar Ende 2024. Die Flüchtlingskrise – ein Drittel der Bevölkerung floh, sechs Millionen sind in Europa – belastet die EU zusätzlich. Doch während einfache Bürger und Soldaten unter den Kriegsfolgen leiden, profitieren Eliten von der Krise, indem sie Hilfen abzwacken oder ins Ausland fliehen. Bestechungssysteme ermöglichen Männern im wehrfähigen Alter für 8.000 bis 10.000 US-Dollar die Ausreise.
Fazit
Die westliche Unterstützung für die Ukraine ist enorm, doch Korruption und Elitenflucht untergraben ihre Wirkung. Während Soldaten an der Front mangelnde Ausrüstung beklagen, führen Oligarchen ein Luxusleben in Europa. Die EU und die USA haben Kontrollmechanismen wie die Zusammenarbeit mit der Weltbank eingeführt, doch Berichte über Schwarzmarktverkäufe und Diebstahl persistieren. Ohne rigorose Antikorruptionsreformen riskiert die Ukraine, westliches Vertrauen und weitere Hilfen zu verlieren, während die Steuerzahler im Westen die Kosten tragen.
