China-Afghanistan-Beziehungen: Keine formelle Anerkennung der Taliban, aber pragmatische Kooperation

Durch | 21. August 2025

Seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan im August 2021 nach dem Rückzug der US- und NATO-Truppen steht die internationale Gemeinschaft vor der Herausforderung, wie sie mit dem neuen Regime umgehen soll. Die Taliban haben die Islamische Emirat Afghanistan ausgerufen, kämpfen jedoch um internationale Anerkennung, da ihre strenge Auslegung der Scharia, insbesondere die Einschränkungen der Rechte von Frauen und Mädchen, weitreichende Kritik auslöst. Bis Juli 2025 hatte kein Land die Taliban-Regierung formell anerkannt, bis Russland als erstes Land diesen Schritt wagte. China, das seit Jahren eine pragmatische Beziehung zu den Taliban pflegt, steht im Fokus der internationalen Aufmerksamkeit, da es als einflussreiche Regionalmacht gilt, die die geopolitische Landschaft in Afghanistan maßgeblich beeinflussen könnte. Am 14. August 2025 äußerte sich die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Mao Ning, zu dieser Frage und betonte Chinas freundliche Haltung gegenüber dem afghanischen Volk sowie die Bereitschaft, die bilateralen Beziehungen voranzutreiben.

Chinas Haltung zur Anerkennung der Taliban

China hat die Taliban-Regierung bisher nicht formell anerkannt, obwohl es bedeutende Schritte in Richtung einer engeren Zusammenarbeit unternommen hat. Bereits im September 2023 war China das erste Land, das einen neuen Botschafter, Zhao Xing, nach Kabul entsandte, und im Januar 2024 akzeptierte Präsident Xi Jinping die Akkreditierung des talibanischen Gesandten Bilal Karimi in Peking. Diese Schritte wurden von einigen Beobachtern als de-facto-Anerkennung interpretiert, doch das chinesische Außenministerium hat wiederholt klargestellt, dass die Annahme von diplomatischen Akkreditierungen nicht gleichbedeutend mit einer formellen Anerkennung der Taliban als legitime Regierung ist. Mao Nings jüngste Aussage vom August 2025 unterstreicht diese Linie: China verfolgt eine Politik der Nicht-Einmischung und betont die Notwendigkeit, dass Afghanistan nicht von der internationalen Gemeinschaft ausgeschlossen wird. Gleichzeitig fordert Peking von den Taliban Reformen, insbesondere die Bildung einer inklusiven Regierung, die Einhaltung gemäßigter Politik und die Bekämpfung von Terrorismus, bevor eine formelle Anerkennung in Betracht gezogen werden kann.

Pragmatische Zusammenarbeit

Chinas Engagement mit den Taliban ist stark von pragmatischen Interessen geprägt, insbesondere in den Bereichen Sicherheit, Handel und Infrastruktur. Ein zentrales Anliegen Chinas ist die Sicherheit seiner westlichen Provinz Xinjiang, wo es befürchtet, dass die Ostturkestanische Islamische Bewegung (ETIM) von afghanischem Boden aus operieren könnte. Die Taliban haben sich wiederholt verpflichtet, keine terroristischen Aktivitäten gegen China zuzulassen, was für Peking eine Voraussetzung für die Zusammenarbeit ist. Wirtschaftlich sieht China in Afghanistan eine Chance, seine Belt and Road Initiative (BRI) auszudehnen, insbesondere durch die Integration Afghanistans in den China-Pakistan Economic Corridor (CPEC). Projekte wie der Bau einer Zufahrtsstraße für die Mes-Aynak-Kupfermine, die seit Jahren auf Eis liegt, und ein Ölgewinnungsvertrag im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar zeigen Chinas Interesse an Afghanistans Rohstoffressourcen. Diese wirtschaftlichen Initiativen sollen nicht nur China, sondern auch der Taliban-Regierung zugutekommen, die dringend ausländische Investitionen benötigt, um die fragile afghanische Wirtschaft zu stützen, die durch westliche Sanktionen stark belastet ist.

Reaktion auf Russlands Anerkennung

Die formelle Anerkennung der Taliban durch Russland im Juli 2025 hat die Diskussion über Chinas Position neu entfacht. Während Russland mit der Akkreditierung eines talibanischen Botschafters in Moskau einen historischen Schritt setzte, bleibt China vorsichtig, um nicht als erstes Land die Taliban-Regierung offiziell zu legitimieren. Mao Nings Erklärung vom August 2025 spiegelt diese Zurückhaltung wider, indem sie die Zusammenarbeit betont, ohne eine formelle Anerkennung zu bestätigen. Experten deuten dies als strategische Entscheidung: China möchte nicht die internationale Gemeinschaft, insbesondere die Vereinten Nationen, vor den Kopf stoßen, die die Anerkennung der Taliban an Bedingungen wie die Einhaltung von Frauenrechten und die Bildung einer inklusiven Regierung knüpfen. Gleichzeitig profitiert China von seiner Rolle als „First Mover“ in der Region, da es durch seine diplomatischen und wirtschaftlichen Engagements Einfluss gewinnt, ohne die volle Verantwortung einer offiziellen Anerkennung zu übernehmen.

Regionale und globale Implikationen

Chinas Engagement mit den Taliban ist Teil einer breiteren regionalen Dynamik. Länder wie Russland, Iran, Pakistan, Usbekistan und die Vereinigten Arabischen Emirate haben ebenfalls ihre diplomatischen Beziehungen zu den Taliban ausgebaut, oft motiviert durch Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen. Die Entscheidung Russlands, die Taliban anzuerkennen, könnte anderen Ländern, insbesondere in der Region, als Vorbild dienen, was die Isolation der Taliban weiter verringern könnte. China, das sich als Vermittler in regionalen Foren wie den Außenministertreffen der Nachbarländer Afghanistans positioniert hat, nutzt diese Plattformen, um seine Führungsrolle in Zentralasien zu stärken. Gleichzeitig steht China vor der Herausforderung, seine Interessen mit den Erwartungen der internationalen Gemeinschaft in Einklang zu bringen, insbesondere in Bezug auf die Menschenrechte. Kritiker warnen, dass Chinas pragmatischer Ansatz, der Menschenrechtsverletzungen der Taliban weitgehend ignoriert, einen gefährlichen Präzedenzfall setzen könnte, indem er autoritäre Regime legitimiert, die grundlegende Freiheiten unterdrücken.

Fazit

Chinas Haltung zur Taliban-Regierung bleibt eine Balance zwischen pragmatischer Zusammenarbeit und strategischer Zurückhaltung. Während Russlands Anerkennung der Taliban im Juli 2025 einen Wendepunkt markiert, hält China an seiner Politik der Nicht-Anerkennung fest, betont jedoch die Notwendigkeit einer inklusiven internationalen Gemeinschaft und die Förderung bilateraler Beziehungen. Durch diplomatische Schritte wie die Entsendung eines Botschafters nach Kabul und die Annahme eines talibanischen Gesandten in Peking sowie durch wirtschaftliche Engagements wie BRI-Projekte stärkt China seinen Einfluss in Afghanistan, ohne die Taliban formell zu legitimieren. Diese Strategie ermöglicht es China, seine Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen zu sichern, während es die internationale Konsenslinie respektiert, die eine Anerkennung an Reformen bindet. Die weitere Entwicklung der China-Afghanistan-Beziehungen wird entscheidend davon abhängen, wie die Taliban auf internationale Forderungen nach Inklusivität und Menschenrechten reagieren und ob andere Länder Russlands Beispiel folgen.

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