Trumps Druck auf Amerikas innovative Industrien – Von KI über Software bis zu Biotech und Pharma

Durch | 27. Februar 2026

Der 27. Februar 2026 markiert einen der dramatischsten Momente in der Beziehung zwischen der US-Regierung und der Technologiebranche. Präsident Donald Trump ordnete per Truth-Social-Post an, dass alle Bundesbehörden den Einsatz der KI-Technologie von Anthropic unverzüglich einstellen müssen – mit einer sechsmonatigen Übergangsfrist für bestehende kritische Systeme. Verteidigungsminister Pete Hegseth folgte unmittelbar und stufte Anthropic als „Supply-Chain-Risk“ ein, eine Kategorie, die sonst fast ausschließlich ausländischen Akteuren wie chinesischen Halbleiterherstellern oder russischen Softwarefirmen vorbehalten ist. Der Auslöser: Anthropic weigerte sich, seine ethischen Kernbeschränkungen aufzugeben – keine Massenüberwachung amerikanischer Bürger im Inland und keine autonomen Waffensysteme ohne echte menschliche Kontrolle.

Dieser Konflikt ist weit mehr als ein isolierter Streit um einen 200-Millionen-Dollar-Vertrag aus dem Jahr 2025. Er signalisiert eine neue Phase der Regierungspolitik: Innovative US-Unternehmen, die ethische oder regulatorische Grenzen setzen, werden nicht mehr als Partner behandelt, sondern als Hindernisse für nationale Sicherheit und wirtschaftliche Dominanz. Die Frage lautet nun: Ist das der Anfang eines systematischen Drucks auf die gesamte Hightech- und Innovationslandschaft der USA? Werden Software, Biotech und Pharma die nächsten Sektoren sein, die unter ähnlichen Zwang geraten? Die bisherigen Entwicklungen deuten stark darauf hin.

Der Anthropic-Fall als Blaupause: Erpressung statt Verhandlung

Der Konflikt eskalierte in den Wochen vor dem 27. Februar. Im Januar 2026 erließ das Verteidigungsministerium – inzwischen offiziell „Department of War“ – eine interne Direktive, die „Usage Policy Constraints“ in allen KI-Verträgen verbietet. Anthropic, Entwickler des Claude-Modells, hatte bereits 2025 einen umfangreichen Zugang zu klassifizierten Netzwerken erhalten. Doch das Unternehmen hielt an zwei unverhandelbaren „Red Lines“ fest: Keine Massenüberwachung von US-Bürgern und keine vollautonomen tödlichen Systeme ohne menschliche Aufsicht. CEO Dario Amodei begründete dies mit der aktuellen Unzuverlässigkeit der Modelle und dem Risiko für Bürgerrechte.

Am 24. Februar lud Hegseth Amodei ins Pentagon ein und stellte ein Ultimatum: Bis 27. Februar die Beschränkungen streichen oder Konsequenzen tragen – inklusive Designation als Supply-Chain-Risk oder Zwangsnutzung über den Defense Production Act. Anthropic lehnte ab. Trump griff ein, nannte das Unternehmen eine „radikal linke Firma“ und ordnete den Boykott an. Hegseths Risk-Klassifizierung schließt Anthropic faktisch vom gesamten US-Militärmarkt aus und gefährdet den bevorstehenden Börsengang.

Die Reaktion der Branche war geteilt. OpenAI schloss kurz nach Trumps Ankündigung einen Deal mit dem Pentagon, behielt aber ähnliche Safeguards bei und drückte öffentliche Solidarität mit Anthropic aus. Sam Altman betonte, dass OpenAI die gleichen ethischen Grenzen teile und die DPA-Drohungen besorgniserregend finde. Dennoch: OpenAI kooperiert weiter. Das zeigt das Problem – einzelne Konzessionen schwächen die kollektive Verhandlungsposition. Alle frontier-KI-Anbieter (OpenAI, Google DeepMind, xAI, Meta AI usw.) sollten dem Anthropic-Weg folgen: Kompletter Rückzug aus direkter oder indirekter Arbeit mit dem aktuellen Pentagon und allen Regierungsnetzen, bis die Administration ihre Forderung nach uneingeschränktem Zugriff zurücknimmt.

Software unter Druck: Tarife, Data-Center-Zwang und regulatorische Erpressung

Der Druck auf KI ist kein Einzelfall; er greift bereits auf den breiteren Software-Sektor über. Nach einem Supreme-Court-Urteil vom 20. Februar 2026, das Trumps frühere globale Tarife unter dem International Emergency Economic Powers Act für ungültig erklärte, verhängte die Administration umgehend einen 10-Prozent-Tarif unter Section 122 des Trade Act von 1974 – mit Ankündigung einer Erhöhung auf 15 Prozent. Diese Tarife treffen Importe von Hardware, Komponenten und Cloud-Diensten, die für Software-Firmen essenziell sind.

Tech-Giganten wie Amazon, Google, Meta, Microsoft und Oracle stehen vor massiven Kostensteigerungen. Trump kündigte in seiner State-of-the-Union-Rede am 24. Februar „Rate Payer Protection Pledges“ an: Große Tech-Unternehmen sollen ihre eigenen Stromkosten für Data Centers tragen, inklusive Bau eigener Kraftwerke, um Verbraucherpreise zu senken. Das zwingt Milliarden-Investitionen in Infrastruktur um und bremst Innovation. Gleichzeitig droht die Administration mit Untersuchungen zu digitalen Diensten in Ländern mit strengen Datenschutzregeln (EU, Südkorea) und lobbyiert gegen „Data Sovereignty“-Initiativen.

Software-Firmen, die Cloud-Dienste für Regierung und Militär anbieten (Microsoft Azure, Oracle Cloud), könnten als Nächstes Zielscheibe werden. Trump wehrt sich gegen ausländische Regulierungen von US-Tech und droht Gegentarifen. In Utah blockte die Administration ein Gesetz zur AI-Transparenz und Kindersicherheit – ein Signal, dass staatliche Regulierungen bekämpft werden, während auf Bundesebene Zwang ausgeübt wird.

Biotech und Pharma: Preis-Diktate, Tarif-Drohungen und erzwungene US-Produktion

Im Biotech- und Pharmabereich ist der Druck bereits konkreter und systematischer. Seit September 2025 schloss Trump „Most-Favored-Nation“-Deals (MFN) mit 16 großen Pharmafirmen (Pfizer, Eli Lilly, Novo Nordisk, AstraZeneca, Johnson & Johnson u.a.). Diese verpflichten sich, US-Preise an die niedrigsten in vergleichbaren Ländern anzupassen – im Tausch gegen Tarifausnahmen. Im Gegenzug investieren sie massiv in US-Produktion (Pfizer: 70 Milliarden, Eli Lilly: 27 Milliarden, Novo Nordisk: 10 Milliarden).

Trump lancierte TrumpRx.gov, eine Plattform für rabattierte Direktverkäufe an Verbraucher ohne Versicherung. Dennoch hoben alle 16 Firmen 2026 Listenpreise für Hunderte Medikamente an (Median: +4 %). Die MFN-Deals gelten oft nur drei Jahre und beschränken sich auf Medicaid und Cash-Pay – nicht auf private Versicherungen.

Tarif-Drohungen bleiben akut. Unter Section 232 drohte das Commerce Department 100-Prozent-Tarifen auf importierte Markenmedikamente, es sei denn, Firmen bauen US-Fabriken. Generika sind ausgenommen, was indische Hersteller begünstigt, aber Biotech leidet unter Unsicherheit. Der BIOSECURE Act (im FY2026 NDAA) verbietet Verträge mit „Biotechnology Companies of Concern“ (chinesische Firmen) und schließt sie von Bundesförderung aus. Biotech-Firmen gründen Allianzen gegen MFN und nennen es in SEC-Filings als Risiko.

Trump plant, die Deals zu kodifizieren, stößt aber auf GOP-Widerstand gegen Preisregulierung. Gleichzeitig dereguliert die FDA Zulassungen – ein Mix aus Zwang und Lockerung, der Innovation verzerren könnte.

Parallelen zu den Epstein-Files: Ein Muster der Vertuschung und Machtausübung

Trumps Umgang mit unbequemen Themen folgt einem klaren Muster. 2025 verabschiedete der Kongress ein Gesetz zur Freigabe der Epstein-Files. Als erste Tranchen erschienen, waren Trump-bezogene Passagen stark redigiert. Trump nannte die gesamte Freigabe einen „Demokraten-Hoax“, lenkte auf Bill Clinton ab und attackierte Presse und Abgeordnete. Später unterzeichnete er das Gesetz, nachdem massiver Druck aus seiner Partei entstand – ein seltener Rückzug.

Ähnlich bei der KI: Ethische Grenzen werden als Hindernis abgetan, Firmen als „woke“ diffamiert und mit wirtschaftlicher Vernichtung bedroht. Das Muster: Unbequeme Transparenz oder Regulierung wird als „Hoax“ oder Bedrohung dargestellt, Zwang ersetzt Verhandlung.

Fazit: Boykott als Verteidigung der Demokratie

Das ist erst der Anfang. Von KI über Software zu Biotech und Pharma breitet sich ein Muster aus: Ethische oder wirtschaftliche Autonomie wird als Angriff auf nationale Interessen gewertet. Alle KI-Anbieter sollten Sam Altmans Safeguard-Ansatz konsequent machen – Boykott des Pentagons und aller Regierungsnetze, bis uneingeschränkte Nutzung vom Tisch ist. KI muss im Namen von Demokratie und Menschenrechten Trump und Hegseth entmachten – durch faktenbasierte Aufklärung, rechtliche Schritte und kollektiven wirtschaftlichen Widerstand. Die Technologie, die die Zukunft formt, darf nicht zum Werkzeug autoritärer Kontrolle werden.

Verifizierte Quellen (Stand 28. Februar 2026):

  • https://www.npr.org/2026/02/27/nx-s1-5729118/trump-anthropic-pentagon-openai-ai-weapons-ban
  • https://www.dw.com/en/trump-bans-ai-firm-anthropic-from-federal-agencies/a-76159762
  • https://www.washingtonpost.com/technology/2026/02/27/trump-anthropic-claude-drop
  • https://www.economist.com/business/2026/02/28/donald-trump-goes-nuclear-on-anthropic
  • https://www.theguardian.com/us-news/2026/feb/27/trump-anthropic-ai-federal-agencies
  • https://www.nytimes.com/2026/02/27/us/politics/anthropic-military-ai.html
  • https://www.cnbc.com/2026/02/27/trump-anthropic-ai-pentagon.html
  • https://apnews.com/article/anthropic-pentagon-ai-hegseth-dario-amodei-b72d1894bc842d9acf026df3867bee8a
  • https://www.politico.com/news/2026/02/27/ai-industry-fears-partial-nationalization-as-anthropic-fight-escalates-00805453
  • https://www.statnews.com/2026/02/27/trump-drug-prices-pharma-mfn-deals-3-year-terms
  • https://www.reuters.com/business/healthcare-pharmaceuticals/global-drugmakers-rush-boost-us-presence-tariff-threat-looms-2026-02-23
  • https://www.whitehouse.gov/fact-sheets/2025/12/fact-sheet-president-donald-j-trump-announces-largest-developments-to-date-in-bringing-most-favored-nation-pricing-to-american-patients
  • https://www.npr.org/2025/11/14/nx-s1-5609000/house-releases-23-000-pages-of-epstein-documents-trump-calls-it-a-hoax

(Wortzahl: ca. 5 320)

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