Berlin (LabNews Media LLC) – Der Preisschock beim Öl infolge des Iran-Kriegs hat die Inflationsrate in Deutschland im April auf 2,9 Prozent steigen lassen. Das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als im März. Der Anstieg geht weitestgehend auf höhere Preise für Kraftstoffe und Heizöl zurück. Die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel und andere Waren sowie Dienstleistungen blieben davon bislang weitgehend unberührt. Auch beim Gas zeigten sich noch keine starken Preissteigerungen, obwohl die Weltmarktpreise deutlich angezogen hatten.
Familien, insbesondere solche mit niedrigen und mittleren Einkommen, sind von der aktuellen Teuerungswelle besonders stark betroffen. In ihren Warenkörben haben Ausgaben für Auto-Kraftstoffe ein relativ hohes Gewicht. Nach Berechnungen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) lag die haushaltsspezifische Inflationsrate bei Paarfamilien mit mittleren Einkommen im April bei 3,0 Prozent und bei Paarfamilien mit geringen Einkommen bei 2,9 Prozent. Die niedrigste Rate verzeichneten Alleinlebende mit niedrigen Einkommen mit 2,1 Prozent, da diese häufig kein Auto besitzen.
Im Vergleich zum April 2022, als der russische Angriff auf die Ukraine die Preise für Agrarrohstoffe stark ansteigen ließ, fällt die aktuelle Teuerungswelle deutlich moderater aus. Damals lagen die haushaltsspezifischen Inflationsraten bei Paarfamilien mit niedrigen und mittleren Einkommen bei 7,5 beziehungsweise 7,3 Prozent.
Die IMK-Inflationsexpertin Dr. Silke Tober erklärte, dass sich der aktuelle Konflikt indirekt und langsamer über höhere Energie-, Transport- und Düngemittelpreise auswirke. Wie stark der preistreibende Effekt ausfalle, hänge entscheidend von der Dauer des Krieges ab. Bei einer längeren Konfliktdauer könnte ein größerer und breiter angelegter Angebotsschock entstehen mit schwerwiegenderen Auswirkungen auf Inflation und wirtschaftliche Aktivität.
Vor diesem Hintergrund müssten die Regierungen in Deutschland und im Euroraum vorbereitet sein, um bei Bedarf rasch entlastende Maßnahmen zu ergreifen. Der Tankrabatt habe seine Berechtigung, da er sowohl Privathaushalte als auch Unternehmen entlaste und die gemessene Inflation reduziere. Bei anhaltendem Preisanstieg seien weitere Schritte notwendig, darunter eine abgestimmte Neuauflage der abgaben- und steuerfreien Inflationsausgleichsprämie, eine temporäre Entkopplung des Strompreises vom Gaspreis sowie vorbereitete Blaupausen für Energiepreisbremsen und Übergewinnsteuern. Zudem seien Maßnahmen zur gezielten Senkung des Verbrauchs fossiler Energien erforderlich, etwa ein Tempolimit auf Autobahnen.
Die Europäische Zentralbank habe umsichtig gehandelt, als sie im April auf eine Zinserhöhung verzichtete. Hohe Energiepreise belasteten die Wirtschaft und insbesondere die angeschlagene Industrie zusätzlich zu anderen Belastungsfaktoren. Eine Dämpfung des Preisauftriebs durch staatliche Maßnahmen würde es der Zentralbank erleichtern, weiter abzuwarten.
Originalpublikation:
*Silke Tober: IMK Inflationsmonitor: Kraftstoffpreise treiben deutsche Inflation im April 2026 auf 2,9 %. IMK Policy Brief Nr. 216, Mai 2026. Download: https://www.imk-boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-009396
