Rochester – Die Zahl der Suizide in den Vereinigten Staaten wird nach Einschätzung von Expertinnen und Experten systematisch unterschätzt. Bis zu 30 Prozent der als Unfall oder mit unklarer Absicht registrierten Überdosierungen könnten tatsächlich Suizide sein. Das geht aus einem Kommentar in der Fachzeitschrift Injury Prevention hervor.
Zwischen 2000 und 2024 stieg die offizielle Suizidrate um 37,5 Prozent. Gleichzeitig verdreifachte sich die Sterberate durch Opioid- und andere Drogenvergiftungen. Die als Suizid erfassten Drogenvergiftungen nahmen dagegen nur von 1,3 auf 1,8 pro 100.000 Einwohner zu. Viele dieser Todesfälle beruhen nach Ansicht der Autoren auf wiederholtem, absichtsvollem Drogenkonsum und seien daher keine echten Unfälle.
Ursachen für die Fehlklassifizierung sehen die Forschenden in begrenzten Ressourcen der Gerichtsmedizin, uneinheitlicher Ausbildung und der Schwierigkeit, die Absicht ohne eindeutige Hinweise wie Abschiedsbriefe oder psychiatrische Vorgeschichte festzustellen. Erschwerend kämen Stigma sowie die Überlastung durch die Opioidkrise, den Anstieg der Suizide und die Corona-Pandemie hinzu.
Das Team um den Epidemiologen Ian Rockett von der University of Rochester Medical Center schlägt deshalb die Kennzahl „Self-Injury Mortality“ (SIM) vor. Sie soll registrierte Suizide und die meisten Drogen-Selbstvergiftungen zusammenfassen und stärker auf das Verhalten vor dem Tod als auf die nachträglich erschlossene Absicht abstellen. Die Autoren halten eine präzisere Erfassung für unverzichtbar, um Präventionsmaßnahmen wirksam zu planen und zu bewerten. Die Arbeit trägt den DOI 10.1136/ip-2025-046146.
