Gasspeicher-Krise in Europa verschärft sich durch Iran-Konflikt

Durch | 5. März 2026

Die europäischen Gasspeicher sind derzeit nur zu rund 30 Prozent gefüllt – deutlich unter dem Fünfjahresschnitt von etwa 45 Prozent. Die anhaltende Krise im Nahen Osten und die damit verbundenen Störungen bei Flüssigerdgas-Lieferungen (LNG) machen eine ausreichende Befüllung für den kommenden Winter erheblich riskanter und teurer. Laut Experten muss Europa im Sommer etwa 180 LNG-Ladungen mehr als im Vorjahr beschaffen, um die Speicher auf ein sicheres Niveau zu bringen.

Analysten des Daten- und Schifffahrtsunternehmens Kpler schätzen den zusätzlichen Bedarf auf rund 17 Milliarden Kubikmeter Gas. Insgesamt benötigt Europa für die Sommermonate etwa 67 Milliarden Kubikmeter, was ungefähr 700 LNG-Ladungen entspricht – 180 mehr als 2025. Ein Großteil dieser Mengen soll über LNG-Importe gedeckt werden, da Pipeline-Lieferungen aus Norwegen, Algerien und in geringem Umfang aus Russland allein nicht ausreichen.

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine hat sich Europas Abhängigkeit von LNG massiv erhöht. Der Anteil von Flüssigerdgas an der europäischen Gasversorgung stieg von etwa 19 Prozent im Jahr 2021 auf über 43 Prozent im vergangenen Jahr (Daten ENTSOG). Der Iran-Konflikt verschärft die Lage nun dramatisch: Die Straße von Hormus ist für den Schiffsverkehr weitgehend blockiert, Reedereien meiden zunehmend das Rote Meer, und Katar hat die Produktion am weltgrößten LNG-Exportkomplex North Field vorübergehend gestoppt.

Der europäische Referenzpreis TTF kletterte zeitweise auf rund 59 Euro pro Megawattstunde – der höchste Stand seit der Energiekrise 2022. Die Kosten für die zusätzlichen 180 Ladungen sind laut Reuters-Berechnungen von etwa 5,8 Milliarden Euro (Stand Ende Februar) auf rund 8,7 Milliarden Euro gestiegen. Für die gesamte Sommerbefüllung von 67 Milliarden Kubikmetern summieren sich die Mehrkosten auf etwa 11,7 Milliarden Euro – insgesamt rund 34,5 Milliarden Euro.

Bei einer anhaltenden Blockade der Straße von Hormus länger als einen Monat könnten laut Energy-Aspects-Analystin Erisa Pasko die Speicherstände bis Ende des Winters auf ein historisches Tief fallen. SEB-Research-Analyst Ole Hvalbye rechnet in diesem Szenario mit einem Fehlbedarf von etwa 5,5 Millionen Tonnen LNG in Europa. Die Preise könnten dann deutlich über 60 Euro pro Megawattstunde steigen und die Anreize zur Speicherbefüllung weiter dämpfen.

Der weltweite Wettbewerb um LNG verschärft sich bereits: Ein Tanker, der ursprünglich nach Europa unterwegs war, hat seine Route nach Asien geändert, da dort höhere Preise erzielt werden können. Experten warnen, dass Russland von der Krise profitieren könnte, falls europäische Käufer auf Pipeline-Gas ausweichen müssen.

Die Europäische Kommission und nationale Regierungen fordern eine beschleunigte Diversifizierung der Lieferquellen, verstärkte Einsparungen und den Ausbau erneuerbarer Energien, um die Abhängigkeit von volatilen Märkten zu verringern.

(Quelle: Reuters, Kpler, Gas Infrastructure Europe, ENTSOG, Energy Aspects, SEB Research, Berliner Zeitung, n-tv, 5. März 2026)

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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