Der Minab-Schlag: Ein Kriegsverbrechen durch institutionelle Verantwortungslosigkeit

Durch | 14. März 2026

Am 28. Februar 2026, dem ersten Tag der US-israelischen Militäroperationen gegen den Iran, traf ein amerikanischer Tomahawk-Marschflugkörper die Shajareh Tayyebeh Mädchenschule in Minab in der südiranischen Provinz Hormusgan. Nach iranischen Angaben starben dabei 168 bis 180 Menschen, überwiegend Mädchen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren sowie Lehrerinnen und Eltern. Der Angriff ereignete sich zeitgleich mit US-Schlägen auf einen benachbarten Marinestützpunkt der Revolutionsgarden (IRGC). Vorläufige Untersuchungen des Pentagons deuten auf „veraltete Zielkoordinaten“ der Defense Intelligence Agency (DIA) hin: Die Schule, die seit Jahren durch eine Mauer und einen sichtbaren Sportplatz klar als ziviles Bildungsinstitut erkennbar war, wurde offenbar noch als Teil der Militäranlage geführt. Satellitenbilder, öffentliche Karten und Videos zeigen jedoch zweifelsfrei, dass eine aktuelle Verifizierung möglich gewesen wäre. Human Rights Watch und UN-Experten fordern daher eine unabhängige Untersuchung – mit dem Hinweis, dass hier möglicherweise ein Kriegsverbrechen vorliegt.

Rechtliche Bewertung: Dolus eventualis oder grobe Fahrlässigkeit

Die Verantwortung der US-Streitkräfte umfasst auch dolus eventualis (die billigende Inkaufnahme) oder grobe Fahrlässigkeit bei der Pflichtverletzung. Die Unterlassung der Zielüberprüfung trotz offensichtlicher Erkennbarkeit der Schule – durch moderne Satellitenaufklärung, Google-Earth-Daten und jahrelange öffentliche Präsenz – erfüllt diese Schwelle klar. Das humanitäre Völkerrecht (Genfer Konventionen, Zusatzprotokoll I) sowie das Römische Statut des Internationalen Strafgerichtshofs verpflichten Angreifer, alle „praktisch durchführbaren“ Vorkehrungen zu treffen, um zivile Opfer zu vermeiden. Eine hochtechnisierte Armee wie die der USA, die über globale Echtzeit-Aufklärung verfügt, darf sich nicht auf jahrzehntealte DIA-Daten verlassen, wenn aktuelle Bilder ein ziviles Objekt eindeutig zeigen. Human Rights Watch und UN-Experten haben genau deshalb eine unabhängige Untersuchung als mögliches Kriegsverbrechen gefordert. Der Vorfall ist kein „Kollateralschaden“, sondern das Ergebnis systematischer Nachlässigkeit in der Aufklärungskette von Pentagon und CIA.

Vergleich mit anderen dokumentierten US-Vorwürfen

Dieser Fall steht in direkter Linie zu anderen dokumentierten US-Vorwürfen und folgt einem wiederkehrenden Muster institutioneller Fahrlässigkeit:

Beim Kunduz-Krankenhaus 2015 in Afghanistan bombardierte ein US-AC-130 das MSF-Hospital trotz bekannter Koordinaten auf der No-Strike-List und ignorierte mehrfache Warnrufe. 42 Menschen starben, darunter Kinder. MSF sprach von Kriegsverbrechen; das Pentagon nannte es einen „Fehler durch veraltete Koordinaten“. Keine Anklagen erfolgten. Genau wie in Minab: Verwendung unzureichender Daten trotz Machbarkeit der Verifizierung.

Beim Farah-Luftangriff 2009 in Afghanistan töteten US-Bomben 90–150 Zivilisten, viele davon Kinder, in einem Dorf. Die offizielle Untersuchung sprach von „fehlerhafter Zielerfassung“. Keine Strafverfolgung. Das Muster wiederholt sich: Pentagon/CIA-Aufklärung versagt bei zivilen Objekten, Zivilisten sterben, Verantwortung wird auf „Intelligenzfehler“ geschoben.

Das My-Lai-Massaker 1968 in Vietnam stellt einen Extremfall direkter Absicht dar (300–500 getötete Zivilisten, darunter Frauen und Kinder). Der Unterschied liegt in der offenen Tötungsabsicht; das heutige Muster ist subtiler – strukturelle Fahrlässigkeit in der Zielplanung, die zivile Tötungen billigend in Kauf nimmt. Das Ergebnis bleibt dasselbe: Massensterben von Kindern ohne Rechenschaft.

In allen Fällen argumentierte das Pentagon mit „Fehlern“ oder „veralteten Daten“, während internationale Instanzen (UN, MSF, HRW) von Verletzungen des humanitären Völkerrechts sprachen. Der Minab-Schlag ist der schwerste einzelne zivile US-Treffer seit Jahrzehnten und folgt exakt diesem Muster: Eine hochtechnisierte Armee mit globaler Aufklärung „verfehlt“ ein seit Jahren sichtbares Schulgebäude voller Kinder – weil die Pflicht zur Verifizierung systematisch vernachlässigt wurde.

Fazit

Die Kombination aus jahrelang öffentlich sichtbarer Schulinfrastruktur, modernster US-Aufklärungstechnologie und dem bewussten Einsatz veralteter DIA-Daten beweist, dass Pentagon und CIA wissen mussten, dass sie ein Gebäude voller Schulkinder angriffen. Die Bombardierung verstößt gegen die Kernprinzipien des humanitären Völkerrechts (Genfer Konventionen, Zusatzprotokoll I, Römische Statut). Sie stellt ein Kriegsverbrechen dar, vergleichbar mit Kunduz und Farah – kein Versehen, sondern Ergebnis institutioneller Verantwortungslosigkeit. Eine unabhängige internationale Untersuchung ist zwingend erforderlich, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Nur so kann das wiederkehrende Muster systematischer Nachlässigkeit durchbrochen werden, das seit Jahrzehnten zivile Opfer – insbesondere Kinder – in Kauf nimmt. Die Opfer von Minab verdienen mehr als ein bedauerndes „Fehler“. Sie verdienen Gerechtigkeit.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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