Cambridge (USA) – Bis 2050 könnten sich die Belastungen durch Nahrung, Wasser und Energie zwischen Einkommensgruppen stark spreizen. Das ergibt eine Szenarioanalyse mit dem Global Change Analysis Model (GCAM 7.1) unter Leitung von Jennifer Morris vom MIT. Die Arbeit erschien in „Earth’s Future“ (DOI: 10.1029/2025EF007585). EurekAlert berichtete am 9. September 2026.
Das Modell koppelt Energie, Wirtschaft, Wasser, Landnutzung und Klima und unterteilt die Welt in 32 Regionen, 235 Wasserbecken und 384 Landnutzungszonen. Das Team durchrechnete 3735 Szenarien mit Annahmen zu Bevölkerung, Wirtschaftsleistung, Einkommensverteilung, Kohlenstoffintensität, Landnutzung, Agrarhandel sowie Energie- und Wasserverbrauch. Ziel war nicht eine einzige Prognose, sondern die Bedingungen, unter denen sich Versorgungslagen unterscheiden.
In Teilen des südlichen Afrikas könnte das einkommensärmste Zehntel demnach rund 49,6 Prozent des Einkommens für Nahrung ausgeben, das reichste Zehntel etwa 5,5 Prozent. Für Westafrika liegt die modellierte Nahrungslast der untersten zehn Prozent bei 48,4 Prozent, für Ostafrika bei 42,5 Prozent. Zum Vergleich nennen die Autoren für 2015 in Westafrika etwa 25 Prozent und im südlichen Afrika etwa 20 Prozent für die unterste Einkommensgruppe; die Spanne der 2050-Szenarien reicht dort von rund 20 bis 75 beziehungsweise 25 bis 65 Prozent.
Bei Wohnenergie zeigen sich ebenfalls große Abstände: In Teilen des Nahen Ostens schätzen die Forschenden 2050 etwa 1,7 Prozent der Einkommen in der höchsten und 18,9 Prozent in der niedrigsten Gruppe. In Osteuropa erreicht die Energielast der untersten Gruppe 11,3 Prozent, der obersten unter 5 Prozent. Die prekärste Nahrungslage modellieren sie vor allem in Afrika südlich der Sahara, die prekärste Energielage armer Haushalte in Teilen Asiens, Osteuropas und des Nahen Ostens.
Co-Autoren sind unter anderem Gi Joo Kim (Tulane), Brian O’Neill und Marshall Wise (Pacific Northwest National Laboratory), John Weyant (Stanford) und Jonathan Lamontagne (Tufts). Morris betonte, regionale Durchschnitte könnten Risiken verharmlosen, weil sie genau die verwundbarsten Gruppen unsichtbar machen. Treiber seien nicht allein das Einkommen, sondern auch regionale Bedingungen, Landnutzung, Energiesysteme, Wasserverfügbarkeit und Verbraucherverhalten.
Unsicherheit ist dem Ansatz inhärent. Die große Spreizung der Ergebnisse spiegelt die Bandbreite möglicher Zukünfte. Gefördert wurde die Arbeit unter anderem vom US-Energieministerium, der Stanford University und der National Research Foundation of Korea.
