WIdO-Studie: Soziale Lage prägt Herzgesundheit – Herzinsuffizienz in Deutschland ungleich verteilt

Durch | 1. Oktober 2026

Berlin (LabNews Media LLC) – Mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland waren im Jahr 2024 von einer Herzinsuffizienz betroffen. Der aktuelle „Gesundheitsatlas Deutschland“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), veröffentlicht im Vorfeld des Weltherztages am 29. September 2026, zeigt, dass soziale und materielle Benachteiligung mit einer deutlich höheren Belastung durch Herzinsuffizienz einhergeht. Menschen in den sozioökonomisch am stärksten benachteiligten Regionen Deutschlands sind demnach deutlich häufiger betroffen als Menschen in Regionen mit günstigen sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

In den besonders benachteiligten Regionen sind nach Angaben des WIdO 6,8 Prozent der Bevölkerung von Herzinsuffizienz betroffen, in den materiell besser gestellten Regionen hingegen lediglich 4,4 Prozent. Auch nach Berücksichtigung von Alters- und Geschlechtsunterschieden bleibt dieser Zusammenhang weitgehend bestehen.

Die Herzinsuffizienz, umgangssprachlich auch als Herzschwäche bezeichnet, stellt eines der häufigsten Gesundheitsprobleme des Herz-Kreislauf-Systems dar. Sie tritt als Folge anderer Krankheiten auf, zu denen insbesondere die Koronare Herzkrankheit und der Bluthochdruck zählen.

Gesamtprävalenz und regionale Unterschiede

Insgesamt lebten im Jahr 2024 rund 3,2 Millionen Menschen in Deutschland mit einer Herzinsuffizienz. Das entspricht einer Prävalenz von 5,5 Prozent in der Bevölkerung ab 30 Jahren. Neben sozialen Faktoren zeigen die Analysen auch deutliche Zusammenhänge zwischen der Häufigkeit von Herzinsuffizienz und vermeidbaren Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes.

Die Herzinsuffizienzhäufigkeit unterscheidet sich in den einzelnen Bundesländern deutlich. Besonders niedrige Krankheitshäufigkeiten weisen Hamburg (3,8 Prozent), Bremen (4,5 Prozent) und Berlin (4,6 Prozent) auf. Den höchsten Herzinsuffizienzanteil verzeichnet Sachsen-Anhalt (8,9 Prozent), gefolgt von Thüringen (8,5 Prozent) und Sachsen (7,9 Prozent).

Auf der Ebene der 400 Kreise und kreisfreien Städte zeigen sich noch deutlichere Unterschiede: Der höchste Anteil von Betroffenen findet sich im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt mit 13,9 Prozent, der niedrigste Anteil dagegen in Frankfurt am Main mit 2,8 Prozent. Sehr niedrige Herzinsuffizienzprävalenzen finden sich in vielen Kreisen um Hamburg und München, im Rhein-Main-Gebiet und im südlichen Baden-Württemberg. Überdurchschnittlich hohe Prävalenzen zeigen sich dagegen in vielen Kreisen in Ostdeutschland sowie in Nord- und Ostbayern.

Alter und Geschlecht

Während eine Herzinsuffizienz in jungen Lebensjahren selten vorkommt, steigt die Häufigkeit mit dem Alter stark an. In der Altersgruppe ab 90 Jahren liegt der Anteil der erkrankten Männer bei 35 Prozent und der erkrankten Frauen bei 30 Prozent. Der Geschlechtsunterschied ist nach Angaben des WIdO erwartbar, weil Männer häufiger von Vorerkrankungen wie Koronarer Herzkrankheit oder Herzinfarkt betroffen sind, die das Risiko für die Entstehung einer Herzinsuffizienz erhöhen.

„Mögliche Ursachen für die Geschlechtsunterschiede sind biologische Faktoren und eine unterschiedliche Häufung von Risikofaktoren bei Männern und Frauen“, sagte Helmut Schröder, Geschäftsführer des WIdO. „Das Rauchen stellt einen wichtigen Risikofaktor für kardiovaskuläre Krankheiten dar, und in den vergangenen Jahrzehnten war der Raucheranteil bei Männern stets deutlich höher als bei Frauen. Außerdem tritt Bluthochdruck bei Männern häufig schon im mittleren Lebensalter auf, bei Frauen erst später.“

Risikofaktoren im regionalen Vergleich

Rauchen ist ein maßgeblicher Risikofaktor für die Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen, in deren Folge wiederum eine Herzinsuffizienz auftreten kann. Ein Vergleich auf regionaler Ebene bestätigt die aus der wissenschaftlichen Literatur bekannten Zusammenhänge: In Regionen mit besonders vielen Raucherinnen und Rauchern liegt der Anteil der von Herzinsuffizienz Betroffenen bei 6,6 Prozent, in Regionen mit wenigen Rauchern dagegen nur bei 4,7 Prozent.

Auch der Zusammenhang mit Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes ist deutlich: In Regionen mit wenigen Hypertoniepatientinnen und -patienten liegt der Herzinsuffizienz-Patientenanteil bei 4,2 Prozent, in Regionen mit besonders vielen an Hypertonie Erkrankten dagegen bei 8,4 Prozent. Der Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes ist ähnlich ausgeprägt.

Fazit

„Die Ergebnisse zeigen, dass sich soziale Ungleichheit auch in der Herzgesundheit widerspiegelt“, sagte Schröder. „Einkommen, Bildung und Beschäftigung beeinflussen die Verteilung wichtiger Risikofaktoren und damit auch die Krankheitslast in den Regionen. Präventionsangebote sollten insbesondere dort gestärkt werden, wo die gesundheitlichen Belastungen besonders hoch sind.“

Der vollständige „Gesundheitsatlas Deutschland“ zum Thema Herzinsuffizienz steht zum kostenlosen Download zur Verfügung. Grafiken und Daten zur Herzinsuffizienz und zu weiteren Erkrankungen finden sich im Online-Portal des WIdO.

Autoren-Avatar
LabNews Media LLC
LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände