Bergen (LabNews Media LLC) – Politische Polarisierung führt nicht nur zu Meinungsverschiedenheiten, sondern auch zu gegenseitiger Abneigung. Eine neue internationale Studie zeigt, dass diese sogenannte affektive Polarisierung demokratische Einstellungen untergräbt und zu größerer Intoleranz gegenüber politischen Gegnern führt.
Ein Forschungsteam um den Politikwissenschaftler Lars Erik Berntzen von der Universität Bergen hat in neun demokratischen Ländern untersucht, welche Folgen affektive Polarisierung hat. Die Teilnehmer gaben an, wie positiv oder negativ sie gegenüber verschiedenen Parteien und ihren Anhängern eingestellt sind. Die Differenz zwischen der Bewertung der eigenen Partei und der am wenigsten geschätzten Partei diente als Polarisierungsmaß.
In einem Experiment gelang es den Forschern, die Polarisierung bei einem Teil der Befragten zu reduzieren, indem diese aufgefordert wurden, Gemeinsamkeiten mit politischen Gegnern zu benennen. Diese Intervention führte zu einer messbaren Abnahme negativer Einstellungen. Anschließend zeigten sich die Teilnehmer weniger intolerant gegenüber politischen Gegnern, unterstützten demokratische Grundprinzipien stärker und waren eher bereit, Kompromisse einzugehen.
„Wir finden einen klaren kausalen Zusammenhang. Polarisierung führt tatsächlich zu größerer politischer Intoleranz und schwächerer Unterstützung demokratischer Normen“, erklärte Berntzen. „Zu viel Polarisierung ist gefährlich.“
Eine Ausnahme bildeten die Vereinigten Staaten. Dort hatte die Depolarisierungsübung keinen Effekt. Die Forscher vermuten, dass das Polarisierungsniveau dort bereits so hoch ist, dass es sich in einem Experiment nicht mehr reduzieren lässt. Dies zeige, dass Erkenntnisse aus den USA nicht ohne Weiteres auf andere Länder übertragbar seien.
Die Studie wurde in der Fachzeitschrift European Journal of Political Research veröffentlicht (DOI: 10.1017/S1475676526101273). Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, Polarisierung nicht nur als gesellschaftliches Phänomen, sondern als ernsthafte Bedrohung für demokratische Werte zu betrachten.
