Studie: Nur 17 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten arbeiteten 1992 im gleichen Beruf wie 1989

Durch | 1. Oktober 2026

Berlin (LabNews Media LLC) – Das Ende der DDR hat für ostdeutsche Beschäftigte einen dramatischen beruflichen Umbruch mit sich gebracht. Im Jahr 1992 übten nur noch 17 Prozent der männlichen Arbeitnehmer der DDR den gleichen Beruf aus wie 1989. Bei den westdeutschen Männern waren es hingegen 70 Prozent. Das geht aus einem neuen Research Insight der ROCKWOOL Foundation Berlin (RFBerlin) hervor, in dem diese Zahlen erstmals veröffentlicht werden.

„Zwischen 1989 und 1992 erlebten DDR-Beschäftigte eine berufliche Umwälzung in einem Ausmaß, das Westdeutsche schlicht nicht kannten“, sagte Alexandra Spitz-Oener, stellvertretende Leiterin von RFBerlin und Professorin für Volkswirtschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Berufliche Mobilität

Die Wahrscheinlichkeit eines beruflichen Aufstiegs lag bei männlichen DDR-Beschäftigten in diesem Zeitraum bei etwa 23 Prozent – 18,5 Prozentpunkte mehr als bei West-Beschäftigten derselben Geburtsjahrgänge. Die Wahrscheinlichkeit eines beruflichen Abstiegs war allerdings ebenfalls um 15 Prozentpunkte höher. „Berufliche Stabilität, nicht Arbeitslosigkeit, das war die schärfste Ost-West-Trennlinie“, sagte Spitz-Oener.

Bei den DDR-Frauen war die berufliche Umwälzung ähnlich ausgeprägt: Nur 17 Prozent im Osten arbeiteten 1992 im gleichen Beruf wie 1989, verglichen mit 63 Prozent in Westdeutschland. Der Aufstieg von DDR-Frauen überstieg jedoch den Abstieg in allen Geburtsjahrgängen. Zwischen 1989 und 1992 betrug die Wahrscheinlichkeit eines beruflichen Aufstiegs bei DDR-Frauen im Durchschnitt 22 Prozent – 19 Prozentpunkte höher als bei westdeutschen Frauen. Die Abstiegswahrscheinlichkeit war allerdings auch um 9,8 Prozentpunkte höher.

Insgesamt deuten die Zahlen nach Angaben der Autorin darauf hin, dass die Wiedervereinigung für viele Männer und Frauen der DDR neue berufliche Chancen eröffnete, zugleich aber auch Risiken mit sich brachte.

Ältere Jahrgänge und Frühverrentung

Für zwischen 1929 und 1931 geborene Männer und Frauen – 1989 etwa 60 Jahre alt – war der Übergang in die Nichterwerbstätigkeit das prägende Arbeitsmarktereignis. Er betraf Ost- und Westdeutsche und spiegelte die damals flächendeckende Anwendung von Frühverrentungsprogrammen in ganz Deutschland wider. 80 Prozent der männlichen DDR-Beschäftigten wurden in dieser Zeit arbeitslos oder gingen in den Ruhestand; der entsprechende Wert bei den Westmännern betrug 54 Prozent. Bei den Ostfrauen waren es 49 Prozent, bei den Westfrauen 81 Prozent.

Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote bei Männern der DDR stieg bis 1992 von 0 auf 10 Prozent, bei Frauen sogar von 0 auf rund 20 Prozent. In der DDR gab es per Definition keine Arbeitslosigkeit. Bei Männern verharrte die Quote jahrelang bei 10 Prozent, stieg jedoch ab 1996 stark an und erreichte 1998 rund 18 Prozent. Bei Frauen verharrte die Quote in den restlichen 1990er-Jahren bei über 20 Prozent. Im Westen stieg die Arbeitslosenquote in diesem Zeitraum ebenfalls und lag bei Männern und Frauen jeweils bei etwa 10 Prozent.

Methodik

Die Studie betrachtet die Geburtsjahrgänge 1929–1931, 1939–1941, 1949–1951 und 1959–1961. Hintergrund der Untersuchung sind die historischen Ereignisse: Am 9. November 1989 öffnete die DDR-Regierung die Mauer. Die erste freie Volkskammerwahl fand am 18. März 1990 statt, die Wirtschafts- und Währungsunion mit der Einführung der D-Mark im Osten folgte am 1. Juli, und am 3. Oktober 1990 trat die DDR offiziell der Bundesrepublik Deutschland bei.

Originalpublikation: RFBerlin Research Insight: „Regime Change and Occupational Mobility: How German Reunification Reshuffled the Labor Market“, von Alexandra Spitz-Oener.

Weitere Publikation: „Regime Change and Occupational Mobility: Former GDR Workers During the Wende“, von Alexandra Spitz-Oener, in: Revue économique, Vol. 75, No. 5 (September 2024), S. 849–868.

Autoren-Avatar
LabNews Media LLC
LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände