Nachtschichtarbeit während der Schwangerschaft ist einer Studie zufolge mit einem erhöhten Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen beim Kind bis zum Alter von vier Jahren verbunden. Wie das Team in „Occupational & Environmental Medicine“ berichtet, deuten explorative Analysen zudem darauf hin, dass die nächtliche Schlafdauer diesen Zusammenhang beeinflussen könnte (DOI: 10.1136/oemed-2026-111018).
Die Forschenden nutzten Daten von rund 100.000 schwangeren Frauen aus der japanischen Japan Environment and Children’s Study, die zwischen Januar 2011 und März 2014 aufgenommen wurden. Die Frauen wurden im ersten und zweiten/dritten Trimester zu ihren Nachtschichten befragt. Für die Analyse blieben 31.528 Mütter übrig, die im ersten Trimester berufstätig waren und den Entwicklungsfragebogen ausfüllten, als ihre Kinder vier Jahre alt waren.
Von den Vierjährigen wurden 4189 (etwas mehr als 13 Prozent) als Hochrisiko für eine Auffälligkeit in mindestens einem von fünf Entwicklungsbereichen eingestuft: Kommunikation, Grobmotorik, Feinmotorik, Problemlösung und persönlich-soziales Funktionieren. Kinder von Müttern, die Nachtschichten aufgaben, hatten nur im Bereich Feinmotorik ein höheres Risiko (24 Prozent). Kinder von Müttern, die Nachtschichten während der Schwangerschaft fortsetzten, hatten in drei Bereichen höhere Risiken: Kommunikation (29 Prozent), Feinmotorik (34 Prozent) und persönlich-soziales Funktionieren (31 Prozent). Nur bei der Feinmotorik zeigte sich eine signifikante Assoziation, unabhängig davon, ob Nachtschichten fortgesetzt oder aufgegeben wurden.
„Eine mögliche Erklärung ist, dass eine mütterliche Entzündung im Zusammenhang mit fortgesetzter Nachtarbeit bevorzugt neuronale Bahnen beeinflusst, die an der Feinmotorik beteiligt sind“, schreiben die Forschenden. Eine separate explorative Analyse zeigte, dass der beobachtete Zusammenhang je nach Schlafdauer der Mütter variierte: Eine vorgeburtliche Schlafdauer von zehn oder mehr Stunden war mit einem um 80 Prozent erhöhten Risiko für Auffälligkeiten in einem der fünf Bereiche verbunden, verglichen mit sechs bis neun Stunden. Lange Schlafdauer könnte jedoch auch auf zugrunde liegende Müdigkeit, subklinische Depression, Entzündung oder Anämie hindeuten und nicht selbst eine schädliche Exposition darstellen.
Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die keine Ursache-Wirkungs-Aussage erlaubt. Die Forschenden räumen ein, dass Schichtrotationssysteme, individueller Chronotyp, Arbeitsbelastung, Lichtexposition und der Zeitpunkt der Aufgabe von Nachtschichten nicht berücksichtigt werden konnten. Angesichts der Befunde könnte es sich lohnen, dass Arbeitgeber für schwangere Nachtschichtarbeiterinnen flexible Arbeitszeiten prüfen.
