Chianciano Terme – Die europäische Bildhauerin Marita Vollborn zeigt auf der Chianciano Biennale 2026 ihre Bronzeskulptur „ARES“. In einem Interview verknüpfte sie die Arbeit mit aktuellen politischen Entwicklungen in den USA und kündigte an, Ausstellungen dort vorerst kritisch zu prüfen.
Die Skulptur, benannt nach dem griechischen Kriegsgott, setzt sich mit Militarismus, dem Profit aus Konflikten und der ungezügelten Ausübung von Macht auseinander. Sie gehört zur Serie „Sinn und Scherben“, die menschliche und gesellschaftliche Widersprüche thematisiert.
Vollborn erklärte, das demokratische Wahlergebnis in den Vereinigten Staaten müsse respektiert werden. Gleichzeitig warne sie vor einer Aushöhlung der institutionellen Checks and Balances und einer zunehmend unilateralen Außenpolitik. Als Beispiel nannte sie die erneuten Diskussionen um Grönland. Diese stünden für ein wiederkehrendes imperiales Denken, das über Ressourcen hinaus auf Dominanz abziele. Kriege und selbst die offene Drohung mit militärischen Optionen gegen souveräne Gebiete seien inakzeptabel.
Als europäische Künstlerin mit Wurzeln in der DDR und dem Erlebnis des Mauerfalls sehe sie eine besondere Verantwortung, Macht kritisch zu hinterfragen – in der Tradition von Künstlern wie Goya oder Käthe Kollwitz. „ARES“ richte sich nicht gegen die USA, sondern gegen Militarismus und Gier unabhängig von deren Herkunft.
Vor diesem Hintergrund überdenke sie derzeit die Teilnahme an Ausstellungen in den Vereinigten Staaten. Solange institutionelle Kontrollmechanismen nicht zuverlässig funktionierten und Reisen für kritische Stimmen nicht sicher und offen seien, bevorzuge sie europäische und internationale Plattformen. Dies sei keine feindselige Boykottentscheidung, sondern eine Haltung aus Prinzip. Echten kulturellen Austausch halte sie weiterhin für wichtig.
Auf der Biennale in der Toskana hoffe sie, dass das Werk die Betrachter dazu anrege, demokratische Mehrheitsentscheidungen zu respektieren und zugleich Macht in Frage zu stellen, wenn sie Frieden, internationales Recht oder die Souveränität anderer bedrohe.

