Bukarest – Ein Cyberangriff auf die Systeme der rumänischen Nationalen Agentur für Kataster und Immobilienwerbung (ANCPI) hat den Immobilienmarkt des Landes in einem Moment der Erholung lahmgelegt. Seit mehr als einer Woche sind Auszüge aus dem Grundbuch und Eintragungen nicht verfügbar – Dokumente, ohne die keine Immobilientransaktion abgeschlossen werden kann. Analysten warnen vor Auswirkungen, die sich auf die gesamte Wirtschaft ausweiten.
Nach Angaben der ANCPI wurde die Behörde am 15. Juli 2026 Ziel eines Cyberangriffs, der die bislang umfangreichste technische Unterbrechung in der Geschichte der Institution auslöste. Die verwalteten Daten seien jedoch sicher und nicht kompromittiert worden.
Der Ausfall trifft die Wohnimmobilienbranche in einer Phase der Erholung. Nach einem schwierigen Jahresbeginn mit einem Rückgang der Wohnungstransaktionen um 16,6 Prozent im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum verzeichnete der Markt in den Monaten April, Mai und Juni drei aufeinanderfolgende Zuwächse von 2,2 Prozent, fast 16 Prozent und über 26 Prozent. Die Zahlen stammen aus ANCPI-Daten, die von Crosspoint Real Estate ausgewertet wurden.
Besonders kritisch ist der Zeitpunkt wegen der bevorstehenden steuerlichen Änderungen. Ab dem 1. August 2026 steigt die Mehrwertsteuer für bestimmte Neubauwohnungen von derzeit 9 auf 21 Prozent. Betroffen sind Einheiten, für die vor dem 1. August 2025 ein Vorvertrag (Antecontract) geschlossen und mindestens 20 Prozent Anzahlung geleistet wurde. Die Differenz kann pro Wohneinheit bis zu 14.000 Euro betragen. Käufer, die ihre Transaktion vor diesem Stichtag nicht abschließen können, müssen mit deutlich höheren Kosten rechnen.
Oana Popescu, Leiterin des Wohnimmobilienbereichs bei Crosspoint Real Estate, erklärte, die Auswirkungen der ANCPI-Krise reichten bereits über die steuerliche Komponente hinaus. Jedes Dokument, das von Grundbuchauszügen oder Eintragungen abhänge, sei blockiert. Die Verzögerungen pflanzten sich in die Genehmigungsunterlagen und die gesamte Transaktionskette fort – nicht nur bis zur Unterzeichnung des Kaufvertrags.
Bei einer Verlängerung des Ausfalls über zwei Wochen steige das Risiko deutlich. Käufer begännen zu zweifeln, prüften andere Angebote und hinterfragten den vereinbarten Preis. Solche emotionalen Reaktionen könnten zur Stornierung von Transaktionen führen, die sonst abgeschlossen worden wären.
Für Käufer, die bereits unter Vorvertrag stehen, sind die Folgen bereits spürbar. Die Verträge fallen unter höhere Gewalt und erfordern Zusatzvereinbarungen. Da Geschäfte in der Regel in Euro abgewickelt werden, erhöht jede Wechselkursschwankung in dieser Zeit das finanzielle Risiko zusätzlich.
Analysten sehen die Auswirkungen weit über den Immobiliensektor hinaus. Verzögerungen bei Genehmigungen belasten die Baubranche, Notare und Banken. Die Unsicherheit könne das Vertrauen in den sich erholenden Markt beeinträchtigen und sich auf verbundene Wirtschaftsbereiche auswirken.
